Papst

Kretschmann kritisiert Ströbele: "Unfassbar"

Nach seinem Treffen mit Papst Benedikt hat Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann den Kreuzberger Bundestagsabgeordneten Hans-Christian Ströbele scharf kritisiert.

Ströbele hatte den Plenarsaal des Bundestages während der Rede Benedikts verlassen. Im Gespräch mit der Morgenpost sagte Kretschmann nun: "Eine Rede zu verlassen, weil einem der Applaus der anderen zu heftig war, unfassbar!" Die Rede des Papstes sei eine "grüne Rede" gewesen, "und das hat mich gefreut". Kretschmann fügte hinzu: "Zumal er ausdrücklich die Autonomie der säkularen Vernunft als Ausdruck göttlicher Kreativität betont hat. Das war eine tiefe Verbeugung gerade vor denen, die die Trennung von Staat und Kirche einfordern. Ich fand das richtig klasse."

Kretschmann übte freilich auch Kritik an der Kirche. Mit Bezug auf Benedikts Äußerung zur Ökumene, man könne sich den Glauben nicht einfach selbst bauen, sagte er: "Ich habe Verständnis dafür, dass Papst Benedikt versucht, das Glaubensgebäude der Kirche zusammenzuhalten. Das ist schließlich seine Aufgabe. Aber dass wir modernen Menschen uns unsere Religion zusammenbasteln, ist ganz einfach eine Tatsache. Die alte Metapher des Glaubensgehorsams funktioniert nicht mehr. Im Glauben kann man gar nicht gehorchen. Wir können unserem Bewusstsein nichts befehlen. Im Glauben müssen wir innerlich überzeugt sein."

Bei seinem Treffen auf dem Flugplatz in Lahr haben der Papst und der Stuttgarter Regierungschef eine Reihe Themen erörtert. Kretschmann sagte der Morgenpost: "Der Papst ist ein hoch konzentrierter Zuhörer. Wir Schwaben würden sagen, ein ganz G'scheiter. Er hat sich für das Verhältnis von Wirtschaft und Ökologie interessiert. Die Integration der Muslime war ein Thema. Unseren neuen Tübinger Lehrstuhl, wo Imame und islamische Religionslehrer ausgebildet werden, hat er sehr positiv gewürdigt, weil auch die Hoffnung besteht, dass sich eine Art europäischer Islam entwickeln kann."