Finanzierung

Stuttgart 21 wird 370 Millionen Euro mehr kosten

Das umstrittene Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 wird wesentlich teurer. Die Deutsche Bahn kalkuliert mit rund 370 Millionen Euro mehr, als ursprünglich veranschlagt, wie es aus dem Aufsichtsrat hieß.

Die Einzelheiten will der Konzern an diesem Freitag vorlegen, wenn sich die Spitzenvertreter von Stadt, baden-württembergischer Landesregierung und der Deutschen Bahn in Stuttgart treffen, um über das Milliardenprojekt zu beraten.

In Stuttgart soll der Bahnhof unter die Erde verlegt werden. Aus dem Kopf- wird dabei ein Durchgangsbahnhof. Der Umbau ist in der Stadt hoch umstritten, auch die Landesregierung ist sich nicht einig. Bisher ist nur ein Teil des alten Bahnhofs abgerissen. Das Gesamtbudget für das Projekt beträgt 3,765 Milliarden Euro. Im Finanzierungsvertrag hatten die Projektpartner 2009 festgelegt, dass Stuttgart 21 nicht mehr als 4,526 Milliarden Euro kosten darf. Die Mehrkosten, die sich jetzt ergeben, halten sich in diesem Rahmen.

Es sind vor allem die Vergaben für Bauleistungen, die den derzeitigen Kostenrahmen sprengen. Bei mehreren großen Auftragsvergaben läge man mit den Baukonzernen "voll im Plan", heißt es. Doch es gibt Fälle, die laufen nicht so glatt, zum Beispiel bei einem Tunnelprojekt, das wohl deutlich teurer wird, als vorgesehen. Hinzu kommen Mehrausgaben für die Planung. Die Lage sei angespannt, heißt es im Aufsichtsrat der Bahn.

Allerdings sind bisher nur die Risiken der Planungs- und Vergabephase benannt. Daran schließen sich aber die Bauarbeiten an, bei denen oft mit kostentreibenden Überraschungen zu rechen ist. Und was ein Projekt wirklich kostet, weiß man ohnehin erst, wenn es fertig ist und abgerechnet wird. Mitte 2012 soll mit den Bauarbeiten begonnen werden, die Bauzeit ist mit sechseinhalb Jahren eingeplant. Unsicher ist auch, ob die eingeplanten Kosten etwa für die großen Tunnelprojekte gehalten werden können. Die Aufträge sind noch nicht vergeben.

Die Grünen in der Landesregierung, die die Umsetzung von Stuttgart 21 verhindern wollen, kritisieren seit Wochen, die Bahn als Bauherr halte mit der Entwicklung der Kosten hinter dem Berg. Dabei geht es Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) weniger darum zu sparen, als darum, ob die Kosten die Grenze von 4,526 Milliarden Euro übersteigen. Dann hat jeder Projektpartner das Recht, auszusteigen - und nichts wäre Kretschmann lieber. Das wäre das Ende von Stuttgart 21 und für die Bahn, die es mehr als 15 Jahre geplant hat, ein Desaster.