Die Linke

Lafontaine lehnt vorgezogene Neuwahlen der Parteiführung ab

Ex-Linke-Chef Oskar Lafontaine stärkt dem Vorstand seiner Partei den Rücken und spricht sich gegen vorgezogene Neuwahlen der Parteiführung aus. "Wir können doch nicht bei jeder Kritik an der Führung Parteitage verlegen", sagte Lafontaine der Berliner Morgenpost.

Bei denen, die dies forderten, handele es sich lediglich um "vereinzelte Stimmen".

Lafontaine gab den Kritikern der Parteiführung in den eigenen Reihen Mitschuld an den schlechten Wahlergebnissen der Linken: "Es gibt eine Handvoll Leute, die sich dadurch profilieren, dass sie ständig in Interviews die Partei schlechtreden und das Führungspersonal angreifen. So vergrault man die Wählerinnen und Wähler." Es sei "nicht akzeptabel, dass sich Einzelne auf Kosten der Gesamtpartei profilieren". Der Vorstand habe vereinbart, "jetzt keine Personaldiskussionen zu führen", sagte Lafontaine.

Er gehe davon aus, dass auf dem Programmparteitag im Oktober in Erfurt wie vorgesehen das Grundsatzprogramm verabschiedet werde. Über die Parteiführung soll erst im kommenden Jahr auf einem Parteitag entschieden werden. Dabei plädiert Lafontaine dafür, an der doppelten Parteispitze festzuhalten, nicht aber an der Doppelbesetzung der Bundesgeschäftsführung: "Bei den Vorsitzenden ist die doppelte Quotierung sinnvoll, bei den nachfolgenden Funktionen eher nicht."

Zum Papstboykott seiner Fraktion ging Lafontaine auf Distanz. Zwar müsse man diesen Schritt respektieren, "eine linke Partei ist immer eine laizistische Partei, sie muss die Trennung von Staat und Kirche befürworten". Er selbst würde dem Papst aber zuhören, wenn er noch im Bundestag wäre: "Was viele nicht wissen, er hat geschrieben: ,In vielem stand und steht der demokratische Sozialismus der katholischen Soziallehre nahe, jedenfalls hat er zur sozialen Bewusstseinsbildung erheblich beigetragen.' So sehe ich das auch", sagte Lafontaine.