Wahlsplitter

Optimistische Spitzenkandidaten, höhere Beteiligung

Begleitung Der SPD-Spitzenkandidat und Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit gibt seine Stimme am Morgen im Jugendkulturzentrum "Spirale" an der Westfälischen Straße in Wilmersdorf ab. Er kommt mit seinem Lebenspartner Jörn Kubicki - und zwei großen bunten Regenschirmen.

Wowereit sagt: "Die Leute sollen wählen gehen, damit die Kleinen nicht so viel Macht bekommen." CDU-Spitzenkandidat Frank Henkel wählt im Bezirk Mitte. Und hat als Begleitung seine Eltern Luzia und Peter Henkel dabei. "Ich fühle mich gut und bin optimistisch", sagt Henkel.

Pünktlich Genau um 11 Uhr erscheint die Spitzenkandidatin der Grünen, Renate Künast, vor ihrem Wahllokal am Gierkeplatz in Charlottenburg. Sie kommt zu Fuß. Das Wahllokal befindet sich im Oberstufenzentrum für Kraftfahrzeugtechnik - ausgerechnet, wollen die Grünen doch den Autoverkehr zurückdrängen. Begleitet wird Künast von ihrem Wahlkampfmanager Heiko Thomas. "Das ist mein Beitrag für ein Rekordergebnis für die Grünen", sagt sie nach ihrer Stimmabgabe. "Berlin hat zehn verschlafene Jahre hinter sich. Jetzt kommt Bewegung in die Stadt."

Statistik Die schwache Wahlbeteiligung vom Vormittag setzt sich nach Angaben von Landeswahlleiterin Petra Michaelis-Merzbach auch am Sonntagnachmittag fort. Bis 16 Uhr geben lediglich 46 Prozent der Wahlbeteiligten ihre Stimme ab. Vor fünf Jahren waren es um diese Zeit 47,5 Prozent. Bis 18 Uhr steigt dann die Zahl der Wähler deutlich an. Erst nach der Schließung der Wahllokale um 18 Uhr steht fest, dass die Wahlbeteiligung doch höher ist als vor fünf Jahren. Gegen 23 Uhr wird die Wahlbeteiligung mit 60,5 Prozent angegeben. Damit haben rund 2,5 Prozent mehr Wähler ihre Stimme abgegeben als 2006. Die genaue Zahl der Wählerinnen und Wähler wird erst mit dem offiziellen amtlichen Endergebnis bekannt gegeben.

Anschlag An der Markgrafenstraße in Kreuzberg haben in der Nacht zu Sonntag unbekannte Täter das Schild des CDU-Kreisverbandes von der Hauswand gerissen und versucht, es in Brand zu setzen. Neben dem beschädigten Schild hinterlassen die Täter eine rote Antifa-Fahne. "Es ist sehr befremdlich, dass es so wenig gegenseitigen Respekt gibt", sagt der CDU-Kreisgeschäftsführer Helmuth Lavicka. Erfahrungen mit politischen Extremisten hat der gebürtige Schwede, der seit 2007 in Berlin lebt, bislang noch nicht gemacht.

Tierfreund Vor dem Wahllokal an der Joachim-Friedrich-Straße in Halensee: Eine Frau steht, gut geschützt durch einen großen Schirm, auf dem Bürgersteig und telefoniert. Lange. Ihr Hund, eine Promenadenmischung mit Wuschelfell, sitzt neben ihr im strömenden Regen und sieht missmutig aus. Ein junger Mann spricht ihn an. "Na? Hast du auch schon gewählt?" Der Hund freut sich, strahlt seinen neuen Freund an. "Aha", sagt der Mann, "Wowi."

Hoffnung Der Staatssekretär der Senatsumweltverwaltung, Benjamin Hoff (Linke), wohnt und wählt in Prenzlauer Berg. Er hat sein Kind auf den Schultern und wird von seiner Frau zum Wahllokal an der Dunckerstraße begleitet. "Wir hätten auch gerne länger geschlafen, aber wegen unseres Kindes sind wir früher dran", sagt Hoff. Der Linke-Politiker gibt sich optimistisch, auch wenn es schon zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich ist, dass er als Staatssekretär bald aus dem Amt ausscheiden wird.