Frank Henkel

"Ich verschließe mich ernsthaften Gesprächen nicht"

CDU-Spitzenkandidat Frank Henkel fordert, dass die SPD ernsthaft mit der CDU verhandeln müsse. Mit ihm sprach Christina Brüning.

Berliner Morgenpost: Herr Henkel, wie interpretieren Sie das Wahlergebnis?

Frank Henkel: Die Berliner Union hat gezeigt, dass die CDU in schwierigen Zeiten zulegen kann. Und vor allem auch in Großstädten zulegen kann. Wir haben ein wesentliches Wahlziel formuliert, und das haben wir auch erreicht. Nämlich, dass Rot-Rot in dieser Stadt, in unserer Stadt, keine Mehrheit mehr hat.

Berliner Morgenpost: Wie haben Sie die Berliner CDU zu diesem Ziel bekommen?

Frank Henkel: Durch harte Arbeit. Wir haben in den vergangenen drei Jahren sehr hart an unserem Profil gearbeitet, aber vor allem auch an unseren Inhalten. Wir haben ein großes Maß an Geschlossenheit hinbekommen.

Berliner Morgenpost: Sie haben vorhin zu Ihren Parteifreunden gesagt, die CDU habe sich Respekt zurück erarbeitet. Wie meinen Sie das?

Frank Henkel: Wir haben uns Respekt zurück erarbeitet, indem wir uns geschlossen gezeigt haben. Wir haben nicht über uns geredet, sondern miteinander über Inhalte gestritten. Wir haben in den vergangenen Jahren ja sehr viele inhaltliche Papiere zur Diskussion gestellt. Ob es das Integrationspapier war, das zum Arbeitsmarkt, zur inneren Sicherheit oder zur Zukunft der Charité. Und wir haben uns mit der Frage der Mietenpolitik befasst - das alles zusammen war der Weg zu einem inhaltsbezogenen Wahlkampf. Das Konzept ist aufgegangen, der Wähler hat das ganz offensichtlich honoriert.

Berliner Morgenpost: Welche Auswirkungen hat dieses Berliner Wahlergebnis Ihrer Meinung nach auf die Bundespolitik?

Frank Henkel: Es ist deutlich geworden, dass die Union in schwierigen Zeiten zulegen kann. Das ist ein wichtiges Signal.

Berliner Morgenpost: Und was sagen Sie zum Wahldebakel der FDP - immerhin Koalitionspartner der CDU im Bund?

Frank Henkel: Ich klammere da für mich die Bundesebene aus. Was die Berliner FDP hier in den letzten Tagen gemacht hat, nämlich einen populistischen Wahlkampf zu Lasten und auf Kosten Deutschlands und auf Kosten Europas, war unverantwortlich.

Berliner Morgenpost: Wer sind für Sie sonst die Wahlverlierer?

Frank Henkel: Ganz klar Frau Künast und die Linkspartei. Aber auch Klaus Wowereit, das muss man auch mal an einem Abend wie heute sagen. Klaus Wowereit hat erfahren müssen, dass für ihn in einer Stadt wie Berlin auch die Bäume nicht in den Himmel wachsen.

Berliner Morgenpost: Wie geht es denn nun weiter?

Frank Henkel: Der Ball liegt im Feld von Klaus Wowereit. Er allein entscheidet, ob und mit wem er Sondierungsgespräche führt. Ich habe bereits gesagt, dass ich mich im Interesse der Stadt und der Bürgerinnen und Bürger ernsthaften Sondierungsgesprächen nicht verschließe.

Berliner Morgenpost: Werden Sie Bedingungen stellen?

Frank Henkel: Ich habe in der Politik gelernt, dass es immer gut ist, in solche Gespräche ohne Bedingungen rein zu gehen. Aber es ist so, dass nach wie vor gilt, was wir vorgegeben haben. Gute Schulen und Sicherheit für die Menschen in Berlin - das ist ein Kurs, von dem werden wir nicht abrücken. Dazu kommt etwas, was wir im Wahlkampf immer deutlich gemacht haben: Ich möchte, dass die Menschen von ihrer Hände Arbeit leben können. Ich möchte, dass die Wohnungen bezahlbar bleiben, und ich möchte, dass die Menschen die Chance haben, einen Job zu finden.

Berliner Morgenpost: Und bei all den Themen sehen Sie ausreichend Gemeinsamkeiten mit der SPD?

Frank Henkel: Wir haben im Wahlkampf gewusst, was uns trennt, und gewusst, was uns eint. Aber ich sage es noch einmal, der Ball liegt jetzt bei Klaus Wowereit. Dann wollen wir doch mal gucken.