Spanien

Unruhen zum Papstbesuch in Madrid

Früher als geplant, zehn Minuten vor zwölf, landete Papst Benedikt XVI. auf dem Madrider Flughafen Barajas und machte damit der viel zitierten deutschen Pünktlichkeit alle Ehre. Bis Sonntag wird er mit 1,5 Millionen Jugendlichen, die sich in Madrid eingefunden haben, den 26. Weltjugendtag begehen. Es ist der dritte Besuch Benedikts in Spanien binnen kurzer Zeit.

Das Land ist katholisches Kernland, doch viele wenden sich von der Kirche ab. An diesem Donnerstag war der Empfang herzlich, allerdings sind nicht alle Spanier begeistert. In der Nacht vor dem Besuch gab es deshalb bereits zum Teil gewalttätige Demonstrationen.

Am Flughafen empfingen den Papst das Königspaar, die gesamte spanische Regierung und mehrere Tausend jubelnde Pilger. Benedikt fühlte sich bei seiner Ankunft in Spanien den hohen Temperaturen zum Trotz sichtlich wohl und lächelte, als er in Begleitung von König Juan Carlos zur Empfangshalle ging. Beide Würdenträger waren sich bei ihren Ansprachen einig, dass die junge Generation eine schwere Krise durchlebt. Mehr als jeder fünfte Jugendliche in Spanien ist arbeitslos. Das Land liegt wirtschaftlich danieder.

"Die Jugend von heute steht vor vielen Herausforderungen, und sie braucht Werte, um aus der gegenwärtigen Krise zu finden", sagte der Papst bei seiner Rede, die er erstaunlich akzentfrei auf Spanisch hielt. Er rief die Katholiken auf, in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit, Umweltzerstörung und Gewalt bei ihrem Glauben zu bleiben. "Niemand kann euch den Frieden nehmen. Schämt euch nicht des Herrn." Seine Rede wurde immer wieder von Applaus unterbrochen.

Sogar der sozialistische Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero war zum Empfang erschienen. Bei der letzten Papstvisite in Barcelona vor neun Monaten hatte er Termine vorgeschoben, um der Begrüßung des Kirchenoberhaupts fernbleiben zu können. Immer wieder hatte die Amtskirche die Gesetze seiner Regierung, darunter die Einführung der Homo-Ehe, die Novellierung des Abtreibungsrechts oder die Blitzscheidung als "kirchenfeindlich" eingestuft. Jetzt schlugen beide Seiten versöhnliche Töne an.

In der ersten Ansprache von Benedikt fehlte jeglicher Seitenhieb auf die Sozialisten. Die wiederum hatten das für diese Legislaturperiode geplante Gesetz zur Sterbehilfe verschoben, um den Vatikan nicht unnötig zu provozieren.

Dennoch ist die Papstvisite, die dritte seit Beginn seiner Amtszeit, nicht frei von Dissonanzen. So protestierten am Vorabend der Ankunft mehr als 5000 Menschen, darunter auch Spaniens junge "Empörte" und die christliche Vereinigung "Redes cristianas", gegen den kostspieligen Besuch. "Weniger Religion und mehr Erziehung" stand auf den Plakaten der Papstgegner, die lautstark gegen die Verwendung von Steuergeld für Kirchenfeste protestierten.

An der Puerta del Sol im Herzen von Madrid trafen Papstfans und Gegner zusammen. "Benedikt" riefen die einen, "Das ist ein Nazi" die anderen. Die Polizei musste beide Lager voneinander trennen. Am Ende lösten die Sicherheitskräfte die Demonstration auf und ließen den Platz räumen, es gab sieben Festnahmen und elf Verletzte. Bereits vor zwei Tagen hatte die Polizei einen 24-jährigen Mexikaner verhaftet, der als einer von 30 000 freiwilligen Helfern beim Weltjugendtag arbeitete. Er soll einen Anschlag mit dem Giftgas Sarin auf eine Gegendemonstration geplant haben.

Allerdings gehen die kritischen Stimmen dieser Tage rein zahlenmäßig einfach unter. In der normalerweise im August verwaisten Innenstadt herrscht allerorten eine ausgelassene Stimmung, die Pilgertrupps in ihren gelb-roten Rucksäcken wollen einfach nur den Papst sehen. Dafür sind sie bereit, jede Strapaze auf sich zu nehmen: Picknick auf dem Gehsteig bei 35 Grad im Schatten, stundenlanges Anstehen für das offizielle Begrüßungspaket und wenig Zeit zum Ausruhen auf harten Turnhallenböden.

Auch die 16 000 deutschen Pilger, die in der Hauptstadt weilen, zeigten ihre Euphorie. "Willkommen, wir lieben dich", hieß es auf einem zehn Meter langen Plakat, das über eine Brücke über die Madrider Prachtstraße Paseo de la Castellana gespannt war.

Erfindungsreich waren einige der Jugendlichen, wenn es darum ging, Tradition und Fortschritt unter einen Hut zu bringen. "Einer brachte mir zur Beichte ein iPhone mit der gesamten Sündenliste", sagte ein Pfarrer aus den USA, der im Madrider Retiropark die Beichte abnimmt. "Die Begeisterung ist ansteckend, es ist hier so gigantisch wie bei den Olympischen Spielen", sagte Covadonga Berjón, eine der Moderatorinnen auf dem Weltjugendtag.

Dem 84-jährigen Papst geht es vor allem darum, die einst so wichtige Bastion des Katholizismus in Europa zu retten. Denn die Zahl der jugendlichen Atheisten in Spanien ist von zehn auf dreißig Prozent gestiegen, im gleichen Zeitraum fiel die Zahl der Kirchgänger auf unter zehn Prozent.