Beisetzung

Wien trägt für einen Tag wieder imperialen Glanz

Die Österreicher waren einst von Herzen Monarchisten, und weil sie das im Grunde geblieben sind, tun sie sich mit dem alten Herrschergeschlecht, den Habsburgern, so schwer. Bevor gestern Otto von Habsburg in der letzten großen imperialen Zeremonie in der Kapuzinergruft am Wiener Neuen Markt feierlich beigesetzt wurde, waren giftige Stimmen zu hören gewesen: Warum dieser Pomp?

Wer bezahlt das alles denn? Ist es zulässig, dem toten Kaiserspross eine gewaltige Trauerfeier im Stephansdom zu widmen und den Leichnam dann in einem langen Zug durch die Innenstadt in die alte Kaisergruft zu verbringen?

Nachdem es tags zuvor geregnet hatte, strahlte am Tag der Trauerfeier die Sonne. Wien freute sich des großen Ereignisses, das live im Fernsehen übertragen wurde und die Stadt in altem kaiserlichem Glanz erstrahlen ließ. Jeder weiß hier, wie wichtig das imperiale Erbe mit Schlössern, Kirchen und Gruften für den Tourismus ist. Otto von Habsburg hatte eine lange Reise hinter sich: Nach Trauerfeiern in seinem Wohnort Pöcking am Starnberger See, in München sowie Mariazell und der Aufbahrung in der Wiener Kapuzinerkirche war die Trauerfeier im Stephansdom der Höhepunkt der langen Abschiedsfeier. Ihr wird sich heute Abend als letzter Akt die Beisetzung des Herzens von Otto von Habsburg in der ungarischen Benediktinerabtei Pannonhalma, einem Jugendort des Verstorbenen, anschließen.

Fast 2000 Trauergäste waren geladen, darunter gekrönte Häupter und Adel aus aller Welt. Der schwedische König Carl Gustaf war mit Gemahlin Silvia ebenso angereist wie der Großherzog von Luxemburg, der Fürst von Liechtenstein, Kronprinzessin Mathilde von Belgien und Michael I. wie Simeon II., die ehemaligen Könige von Rumänien und Bulgarien. Das alte Imperium und seine Kronländer hatten sich versammelt, wenn auch nur in Teilen. Das politische Österreich war über seinen Schatten gesprungen: Trotz kontroverser Debatte erschienen Bundespräsident Heinz Fischer und Bundeskanzler Werner Faymann im Stephansdom. Zuvor hatten sie schon neben dem Sarg Otto von Habsburgs in der Kapuzinergruft zwei viel zu prunkvolle Kränze aufstellen lassen, die fast wie eine Entschuldigung dafür wirken, dass der Staat Österreich dem Kaiserspross so lange Einreise und Staatsbürgerschaft verwehrt hatte.

Darüber hinaus hielt sich das politische Europa, genauer: das politische Westeuropa auffallend zurück. Deutschland war mit seinem Botschafter vertreten. Wie überhaupt der am Ende allseits anerkannte Europapolitiker Otto von Habsburg vom politischen Westen kaum bedacht wurde. Umso mehr dafür vom Osten Europas, von den ehemaligen Kronländern der Habsburger Monarchie. Auch hier kamen bezeichnenderweise nicht alle, aber immerhin Ministerpräsidentin Jadranka Kosor aus Kroatien, das gerade den Zutritt zum neuen Vielvölkergebilde EU versprochen bekommen hat, sowie Mazedoniens Ministerpräsident und der tschechische Außenminister Karel Schwarzenberg. Daneben über 100 Erzbischöfe, Bischöfe und Priester, die von Banja Luka bis Prag ebenfalls für das alte, übernationale Reich zu stehen schienen.

Zu Beginn des Requiems wurde das Beileidsschreiben des Papstes verlesen, dem schlossen sich Fürbitten an, welche die sieben Kinder von Otto und Regina von Habsburg vortrugen. Kardinal Schönborn würdigte in seiner Predigt den Verstorbenen als einen Menschen, der sich auf das Neue eingelassen hat und zugleich ganz fest am Erbe festhielt. Das c-Moll-Requiem war von Michael Haydn. Ganz zum Ende kündigte Schönborn an, dass nun eine Strophe der alten Kaiserhymne gesungen wird. Die letzten Worte des Requiems waren: "Innig bleibt mit Habsburgs Throne Österreichs Geschick vereint."