NS-Kriegsverbrechen

Ehemalige Soldaten der Wehrmacht in Italien verurteilt

Das Militärgericht von Verona hat sechs ehemalige Wehrmachtsoldaten in Abwesenheit wegen Massakern an der italienischen Zivilbevölkerung in Abwesenheit zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt.

Zwei weitere Angeklagte wurden der Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera" vom Donnerstag zufolge vom Vorwurf freigesprochen, mitverantwortlich für die Tötung von insgesamt 400 Menschen, darunter Frauen, Alte und Kinder, in Dörfern der Toskana und Emilia-Romagna, verantwortlich zu sein.

Der Vorsitzende des Vereins der Angehörigen der Opfer, Italo Rovali, begrüßte das Urteil als "Befreiung". Angehörige der aus Freiwilligen bestehenden Division "Hermann Göring" hatten 1944 nach dem Waffenstillstand zwischen Italien und den Alliierten auf dem Rückzug Massaker in insgesamt 18 Dörfern verübt.

In italienischen Medien stieß es auf ein positives Echo, dass die Verurteilung der zwischen 85 und 93 Jahre alten Angeklagten durch die Mithilfe deutscher Ermittler zustande kam. So hatte sich der jüngste der Angeklagten, Alfred Lühmann, in abgehörten Telefongesprächen darüber geäußert, dass die Opfer Widerstand gegen ihre Tötung geleistet hatten. Bei dem seit 2009 laufenden Verfahren hatte es Übereinstimmungen zwischen Tagebüchern der Angeklagten und Aussagen Überlebender gegeben. Die Akten für einen der letzten großen Prozesse wegen NS-Kriegsverbrechen in Italien wurden 1994 in einem römischen Gerichtskeller entdeckt. In dem sogenannten "Schrank der Schande" lagerten Dokumente über NS-Vergehen in Italien.

( EPD )