Ermittlungen

Franzosen gespalten über eine Rückkehr Strauss-Kahns

Die überraschende Wende im Strafverfahren gegen Ex-IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn hat in Frankreich für politischen Wirbel gesorgt. Die Sozialisten diskutieren nach seiner Entlassung aus dem Hausarrest über ein mögliches politisches Comeback des 62-Jährigen, der vor seiner Festnahme als Hoffnungsträger für die Präsidentschaftswahl 2012 galt.

Dieser nutzte seine Freiheit am Samstag für einen Ausflug in New York.

Ex-Parteichef François Hollande, der bei der Präsidentenwahl 2012 selbst gegen den derzeitigen Amtsinhaber Nicolas Sarkozy antreten will, schlug vor, die am 13. Juli endende Bewerbungsfrist für die Vorwahlen der Sozialisten "bis Ende Juli oder sogar Ende August" zu verlängern, um Strauss-Kahn eine Chance zu geben. Der nächste Gerichtstermin Strauss-Kahns ist am 18. Juli.

Die Präsidentschaftskandidatin der Sozialisten bei der Wahl 2007 und erneute Bewerberin für die Kandidatur, Ségolène Royal, sagte, eine Fristverlängerung bereite ihr "keine Probleme". Strauss-Kahn müsse aber selbst darum ersuchen. Der sozialistische Abgeordnete Arnaud Montebourg, der ebenfalls bei den Vorwahlen im Oktober antreten will, wies eine Fristverlängerung zurück. Es gebe "keinen Grund", den Zeitplan zu ändern. Sozialisten-Chefin Martine Aubry, die auch kandidieren will, äußerte sich zu dem Thema bislang nicht.

Die Franzosen stehen einer Rückkehr Strauss-Kahn auf die politische Bühne einer Umfrage zufolge gespalten gegenüber. Während sich in einer am Sonntag in der Zeitung "Le Parisien" veröffentlichten repräsentativen Umfrage 49 Prozent der Befragten für ein politisches Comeback des 62-Jährigen aussprachen, waren 45 Prozent der Befragten dagegen. Bei den Anhängern der Sozialisten, der Partei Strauss-Kahns, waren 65 Prozent für seine Rückkehr in die Politik und 33 Prozent dagegen. In der Umfrage von "Le Parisien" gaben lediglich 43 Prozent der Franzosen an, eine Fristverlängerung zu wünschen, 49 Prozent lehnten dies ab.

Strauss-Kahn und seine Frau Anne Sinclair verließen am Samstag ihre gemietete Wohnung in Lower Manhattan und fuhren in einem Auto durch New York. Das Paar wurde dabei von zahlreichen Fotografen verfolgt. Ihr schwarzer Wagen versuchte mehrmals, die Reporter abzuschütteln, bis es schließlich gelang. Vermutlich besuchte das Paar das Museum of Modern Art, da Sinclair bei ihrer Rückkehr einen Museumsführer in der Hand hielt.