EHEC

Berliner Sprossenmanufaktur stoppt Produktion

In der kleinen Halle herrscht Stillstand. Kein Mitarbeiter ist zu sehen, die Maschinen, an denen die kleinen Pflänzchen der Berliner Sprossenmanufaktur üblicherweise verpackt werden, sind aus.

"Seit Sprossen unter Verdacht stehen, den EHEC-Erreger zu übertragen, haben wir die Produktion angehalten", sagt der Geschäftsführer Klaus Schacherer. Als am Montagvormittag Bestellungen storniert wurden, reagierte Schacherer sofort.

Zusammen mit seinem Partner Wolfgang Funkhauser hat sich der 53 Jahre alte Agrarwissenschaftler beim Lebensmittelaufsichtsamt gemeldet. "Bisher ist leider niemand gekommen, um hier Proben zu nehmen", meint Wolfgang Funkhauser. Wahrscheinlich ist es nicht, dass EHEC von dem Betrieb im Berliner Stadtteil Friedrichshain ausgegangen ist. Die Manufaktur liefert wöchentlich rund eine Tonne unterschiedlichster Sprossen an Biomärkte und Restaurants in der Region, Tausende Berliner essen die kleinen Pflanzen täglich. "Die Zahl der EHEC-Infizierten wäre viel höher, die Charité würde bereits aus allen Nähten platzen", meint Klaus Schacherer. Außerdem habe die Sprossenmanufaktur nie mit dem Betrieb in Niedersachsen, der derzeit unter Verdacht steht, Geschäfte gemacht.

Aber die Verunsicherung unter den Kunden sei groß. "Im Internet kursieren viele Fehlinformationen, kaum jemand weiß, wie Sprossen hergestellt werden", meint Klaus Schacherer. Der leidenschaftliche Pflanzenbauer will die Leute aufklären, während die Produktion stillsteht.

Alle Sprossen, die derzeit in der Sprossenmanufaktur keimen, werden Klaus Schacherer und Wolfgang Funkhauser entsorgen müssen. Noch acht Kisten stehen in den Regalen, wo sie regelmäßig mit Trinkwasser beregnet werden. Bei einer konstanten Temperatur von 25 Grad Celsius sprießen die Saatkörner drei Tage lang. Vor und nach dem Keimen werden die Samen und Sprossen gewaschen. "Wir verwenden außer Wasser und Samen keine zusätzlichen Mittel wie Erde oder Dung", bekräftigt Schacherer.

Hygiene wird in der Sprossenmanufaktur großgeschrieben. Die sieben Sprossengärtner tragen Kittel, Haarnetz und Latexhandschuhe. "Und natürlich ist ständiges Händewaschen absolute Pflicht", sagt Klaus Schacherer. Solange der Sprossenbetrieb ruht, verlieren die Unternehmer täglich etwa 5000 Euro Umsatz. "Sieben Jahre harte Arbeit stecken hinter dem jetzigen Erfolg", meint Schacherer. Auch wenn der EHEC-Erreger mit nahezu hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit nicht in Sprossen nachgewiesen werden kann - die beiden Unternehmer befürchten, ihr Lebenswerk zu verlieren. "Wir hoffen, dass die Sprossen bald entlastet werden können", sagt Schacherer.