Sicherheit

Offenbar keine neuen Krankheitsfälle in Berlin und Potsdam

In Berlin sind seit Freitag keine neuen Infektionen mit der aggressiven Variante des Bakteriums EHEC bekannt geworden. Allerdings würden die Gesundheitsämter der Bezirke auch nur in besonderen Fällen am Wochenende Meldung erstatten, sagte die Sprecherin der Senatsverwaltung für Gesundheit, Regina Kneiding, am Sonnabend.

Demnach haben sich 31 Berliner Patienten nachweislich mit dem EHEC-Keim angesteckt. Weitere 16 Menschen leiden unter der schweren Krankheit HUS, oder es besteht der Verdacht darauf. HUS mit möglichem Nierenversagen kann durch EHEC ausgelöst werden. Viele Infizierte aus Berlin waren zuvor in Norddeutschland gewesen. Hamburg gilt als "Epizentrum" des aktuellen EHEC-Ausbruchs.

Im Berliner Landeslabor sind bislang 170 Gemüseproben auf EHEC untersucht worden, berichtete die Sprecherin. Bei keiner einzigen sei das gefährliche Bakterium nachgewiesen worden. Die Berliner Zielmarke von 180 Proben sei nun fast erreicht. Vorrangig nahm das Labor Gurken, Tomaten und Salat unter die Lupe, doch auch anderes rohes Gemüse wurde getestet. Die Ursache für den EHEC-Ausbruch ist noch immer unbekannt.

Charité kritisiert Institut

Unterdessen hat das Berliner Universitätsklinikum Charité das Krisenmanagement der zuständigen Forscher kritisiert. Es mache ihn "unruhig", dass es außer den verdächtigen Gurken aus Spanien noch immer keinen Hinweis auf die ursprüngliche EHEC-Quelle gebe, sagte der Ärztliche Direktor der Charité, Ulrich Frei, dem "Tagesspiegel". Das Klinikum habe erst in dieser Woche Fragebögen für die infizierten Patienten vom zuständigen Robert-Koch-Institut (RKI) zugeschickt bekommen, erklärte er. "Das reicht nicht. Man hätte die Patienten interviewen sollen." Es sei zudem nicht erkennbar, woran das RKI arbeite. "Wir brauchen eine bessere Informationspolitik", forderte Frei.

Das Institut wies die Vorwürfe dem Bericht zufolge ebenso zurück wie das Bundesgesundheitsministerium. Man habe nach dem EHEC-Ausbruch zügig gehandelt, wurde eine Sprecherin des RKI zitiert. Alle zuständigen Behörden hätten "sehr schnell" gehandelt, ergänzte ein Sprecher des Ministeriums.

Das RKI registrierte bis Freitagnachmittag 1213 Fälle von EHEC-Erkrankung, 520 Patienten litten am hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS). Bundesweit werden mittlerweile mindestens 19 Todesfälle mit EHEC in Verbindung gebracht. Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr will wegen der EHEC-Infektionswelle am Sonntag das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf besuchen. Er wolle sich vor Ort einen Überblick über die Versorgung der EHEC-Patienten verschaffen, erklärte das Bundesgesundheitsministerium. Der FDP-Politiker hatte die Bürger wegen der Erkrankungen weiter zu besonderer Vorsicht aufgerufen. "Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Infektionsquelle noch aktiv ist", hatte er den "Ruhr Nachrichten" gesagt. Es bleibe bei den Empfehlungen, "vorsorglich auf den Verzehr von rohen Tomaten, Salatgurken und Blattsalaten, die insbesondere in Norddeutschland auf dem Markt sind, zu verzichten". Die üblichen Hygieneregeln böten den besten Schutz.