Wahlen

Ärztekammer hat einen neuen Präsidenten

Im zweiten Anlauf hat es geklappt. Frank Ulrich Montgomery ist Präsident der Bundesärztekammer. Vor zwölf Jahren hatte er sich schon einmal zur Wahl gestellt, doch damals unterlag der Hamburger dem Rheinländer Jörg-Dietrich Hoppe.

Dieses Mal konnte sich Montgomery im zweiten Wahlgang mit 128 von 249 abgegebenen Stimmen gegen den ebenfalls chancenreichen Berliner Kammerchef Günther Jonitz durchsetzen. Insgesamt stellten sich beim Ärztetag in Kiel fünf Kandidaten der Wahl. Der 70-jährige Hoppe war nicht mehr angetreten, er wurde Ehrenpräsident.

Mit Montgomery als oberstem Standesvertreter der rund 340 000 berufstätigen Ärzte dürfte ein neuer Politikstil verbunden sein. Während der feinsinnige Musikliebhaber Hoppe nach seinen eigenen Worten "selten stimmgewaltig auftrat", geht der mediengewandte Montgomery, Sohn eines britischen Offiziers und einer Hamburger Ärztin, gern lautstark in die Offensive. Er werde die Interessen der Ärzteschaft forcierter und kämpferischer vertreten, kündigte Montgomery, der seit 2007 Vizepräsident der Bundesärztekammer ist, bereits vor seiner Wahl an. Er werde vom "leichten Florett, mit dem Hoppe immer gefochten hat", zum Degen übergehen, tönte der 59-jährige Hanseat. Vom Säbel sei er aber weit entfernt. Die "völlig auseinanderdriftenden unterschiedlichen Strömungen der Ärzteschaft" brauchten dringend eine Integrationsfigur, denn nur eine geeinte Ärzteschaft könne ihre Interessen gegenüber der Politik auch erfolgreich vertreten.

Dass Montgomery sehr wohl zum Säbel greifen kann, hat er als Chef des Marburger Bundes gezeigt. Aus der Klinikärztevereinigung machte das SPD-Mitglied Montgomery eine durchsetzungsstarke Berufsgewerkschaft. Mit wochenlangen Streiks erkämpften sich die Klinikärzte unter seiner Führung einen eigenen Tarifvertrag, kürzere Arbeitszeiten und Lohnerhöhungen bis zu 20 Prozent. "Sklavenaufstand" nannte der wortgewaltige Montgomery die Ärztestreiks, von der "Knochenmühle Krankenhaus" sprach er mit Blick auf die Arbeitsbedingungen in den Kliniken. Nicht bei allen Kollegen unter den Ärzten kamen und kommen diese Töne sowie der kämpferische Stil des Gewerkschaftsanführers gut an.

Einigen konnte man sich beim Ärztetag aber mit großer Mehrheit auf ein Votum für die begrenzte Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID). Damit revidierte die Ärzteschaft einen Beschluss von 2002, als eine knappe Mehrheit solche Gentests an Embryonen aus künstlicher Befruchtung noch abgelehnt hatte. Beschlossen wurde zudem eine Neuformulierung der Berufsordnung für Ärzte, die nunmehr im Gegensatz zu früher ein ausdrückliches Verbot der ärztlichen Suizidbegleitung enthält.