Enthüllungen

Russland hatte laut Wikileaks Litwinenko-Mörder im Auge

Zahlreiche neue Wikileaks-Enthüllungen haben am Wochenende weltweit für Aufsehen gesorgt. So ist in den angeblichen US-Dokumenten unter anderem von Spannungen zwischen Irland und dem Vatikan die Rede, von einem geplanten Anti-Terror-Zentrum in Barcelona sowie von Militärplänen Kolumbiens auf venezolanischem Gebiet.

Laut einem britischen Zeitungsbericht hat Wikileaks auch neue Details zum aufsehenerregenden Mord an dem russischen Ex-Spion Alexander Litwinenko offengelegt. Russische Agenten hätten den Schmuggel von radioaktiven Substanzen nach London beobachtet, so der "Observer". Doch der britische Geheimdienst habe den Russen klargemacht, er habe die Lage unter Kontrolle. Kurz darauf sei Litwinenko mit Polonium vergiftet worden.

Britische Ermittler machten den früheren KGB-Offizier Andrej Logowoi für den Mord verantwortlich. Russland verweigerte die Auslieferung. Eine diplomatische Depesche der USA aus dem Jahr 2006 zitiert den Gesandten Anatoli Safonow laut dem "Observer" mit einer Aussage, die den Fall in ein neues Licht rückt. Die russischen Behörden in London hätten "von Personen gewusst, die radioaktive Substanzen nach London bringen, und diese verfolgt". Kurz vor der Vergiftung Litwinenkos seien die Briten aber an die Russen herangetreten und hätten behauptet, die Angelegenheit sei unter Kontrolle.

Unterdessen demonstrierten Tausende Menschen in mehreren Ländern für die Freilassung von Wikileaks-Gründer Julian Assange. Die Festnahme des 39-Jährigen sei eine Verschwörung, um die Enthüllungsplattform mundtot zu machen, erklärten die Veranstalter einer Demonstration vor der britischen Botschaft in Madrid. Dort und in anderen spanischen Städten gingen am Sonnabendabend Hunderte Wikileaks-Unterstützer auf die Straße. Sie skandierten "Freiheit für Assange!" und forderten, das Recht auf Informationsfreiheit zu achten. Ähnliche Proteste gab es in Assanges Heimat Australien und mehreren Städten in Lateinamerika.

Obama bedauert die "Taten"

Überraschende Unterstützung erhielt Wikileaks aus Frankreich und Norwegen. Die linksliberale Pariser Zeitung "Libération" erklärte ihren Lesern, sie werde sich im Namen der Informationsfreiheit als "Internet-Spiegel" für das Wikileaks-Archiv zur Verfügung stellen. Auch die norwegische Zeitung "Dagsvisen" reihte sich in den Unterstützerkreis ein. Sie bietet ebenfalls ein Abbild der Website an.

Unterdessen hat US-Präsident Barack Obama erstmals persönlich die Enthüllungen von Wikileaks kommentiert. In Gesprächen mit seinem mexikanischen Kollegen Felipe Calderón und dem türkischen Regierungschef Recep Tayyip Erdogan bezeichnete er die Veröffentlichung der US-Depeschen als bedauerliche Taten, teilte das Weiße Haus mit.