Kommentar

Cancun - Nichts spricht für einen Durchbruch 2011

Ansgar Graw

In Cancun haben sich die Teilnehmer des Klimagipfels auf ein entschlossenes Vertagen geeinigt. Damit ist noch nichts gewonnen, meint Ansgar Graw. Eine absolute Senkung des CO2-Ausstoßes ist illusionär - die Kerfusion dringend notwendig.

Cancún ist vorüber, die Weltklimakonferenz will nun 2011 in Durban völkerrechtliche Vorgaben für Emissionsobergrenzen finden. In Mexiko fand man nur die Kraft zum Konsens, dass dies unerlässlich sei. Die entschlossene Vertagung bei gleichzeitiger Anerkennung der Eilbedürftigkeit konkreter Beschlüsse zeigt, dass die Konferenz ihrem Anspruch nicht gerecht wird.

Nichts spricht dafür, dass es 2011 einen Durchbruch geben kann. Darum muss der Fokus der Politik weggehen von der verkrampften Debatte über Kohlendioxid. Viel wichtiger ist die Entwicklung alternativer Energien. Dazu gehören Solarspiegelanlagen in der Wüste, die schon bald den gesamten globalen Stromverbrauch produzieren könnten. Dazu gehört aber auch die Kernfusion, die wegen schrumpfender Öl-, Kohle-, Gas- und Uranvorräte zur Überlebensfrage des Planeten werden kann. Weil deren Realisierung noch Jahrzehnte dauern wird, benötigt die Kernfusion bereits heute breiten politischen und gesellschaftlichen Rückhalt.

Doch das wohlmeinende Mantra Cancúns, den CO2-Ausstoß in absoluten Mengen kurzfristig zu senken, ist illusionär. Das Ziel lässt sich in Europa erreichen, auch in den USA. In den wachsenden Wirtschaftsmächten Asiens, wo bald die Hälfte der Weltbevölkerung lebt, warten hingegen über zwei Milliarden Menschen auf ihr Auto, den Fernseher, den Kühlschrank. Darum kann es bei dem unvermeidlichen Anstieg des Energieverbrauchs zunächst nur um einen relativ verringerten Anteil der Emissionen gehen, nicht um dessen absolute Senkung.