Doktorarbeit

Plagiatsaffäre: Guttenberg streitet mit seiner Universität

Streit in der Plagiatsaffäre: Die Universität Bayreuth will ihren Bericht zur Plagiatsaffäre um die Doktorarbeit von Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) notfalls auch gegen dessen Willen veröffentlichen.

"Wir wollen eine klare Aussage zum wissenschaftlichen Fehlverhalten zu Guttenbergs treffen und das Thema öffentlich aufarbeiten", sagte Uni-Sprecher Frank Schmälzle. Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" kommt die Untersuchungskommission zu dem Schluss, dass der Ex-Verteidigungsminister absichtlich abgeschrieben habe. Guttenberg will eine Veröffentlichung verhindern.

Uni-Sprecher Schmälzle bestätigte Medienberichte, dass Guttenbergs Anwälte in einem Brief gebeten hätten, den Untersuchungsbericht nicht zu veröffentlichen. Sie verwiesen darin auf die Persönlichkeitsrechte ihres Mandanten. "Wir haben den Anwälten in einem Schreiben geantwortet und unser Interesse deutlich gemacht, die Öffentlichkeit informiert zu halten", so Schmälzle. Bei seinem Rücktritt hatte Guttenberg noch erklärt, er werde sich nun an der Aufklärung der Vorwürfe gegen ihn beteiligen.

Unter Berufung auf die Untersuchungskommission berichtete die "Süddeutsche Zeitung", dass sich die kopierten Passagen in der Doktorarbeit nur durch absichtliches Verhalten erklären ließen. Der offizielle Bericht solle Ende April fertig sein, ein genaues Datum für eine mögliche Veröffentlichung gibt es aber noch nicht. Uni-Präsident Rüdiger Bormann sagte den "Nürnberger Nachrichten", die Uni-Leitung habe Guttenberg schriftlich aufgefordert, "entsprechend seiner früheren Äußerungen und Stellungnahmen, seine Vorbehalte bezüglich der Veröffentlichung, insbesondere hinsichtlich des Ergebnisses der Prüfung der erhobenen Plagiatsvorwürfe, zurückzunehmen und eine umfassende Information zu unterstützen".

Dem "Tagesspiegel" sagte Bormann: "Wir möchten das Ergebnis - auch zur Frage des Täuschungsvorsatzes - öffentlich machen." Er sehe in dem Verhalten des Politikers einen "vollkommenen Widerspruch" zu dessen Rücktrittsrede, in der er Aufklärung versprochen hatte. "Es besteht ein ganz starkes öffentliches Interesse, wie die Uni den Vorfall bewertet."

Die Uni Bayreuth prüft nach Angaben ihres Sprechers, welche rechtlichen Möglichkeiten bestehen, falls die Anwälte Guttenbergs nicht einlenken. "Unser Anliegen ist es, dass die Wissenschaft keinen weiteren Schaden nimmt", sagte Schmälzle. Das Büro des Ex-Ministers war am Sonnabend für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Guttenberg war wegen der Vorwürfe, er habe zahlreiche Passagen seiner Doktorarbeit von anderen Autoren übernommen und dies nicht gekennzeichnet, Anfang März von allen politischen Ämtern zurückgetreten. Die Universität Bayreuth hat Guttenberg bereits den Doktortitel aberkannt, ein Gremium der Hochschule soll die Hintergründe der Vorwürfe allerdings zusätzlich noch ergründen.

Derweil berichtet der "Spiegel", das in Hof gegen Guttenberg laufende Verfahren könne wegen mangelnden öffentlichen Interesses eingestellt werden. Die Staatsanwaltschaft Hof sieht gegen Guttenberg den dringenden Verdacht auf Urheberrechtsverletzungen und ermittelt deshalb seit mehreren Wochen gegen ihn. Wie der "Spiegel" nun unter Berufung auf Münchner Strafverteidiger berichtete, sucht die bayerische Justiz derzeit aber nach Präzedenzfällen, in denen Ermittlungen wegen Urheberrechtsverletzungen eingestellt wurden, weil kein öffentliches Interesse bestand.

Von den in Hof vorliegenden rund 100 Strafanzeigen gegen Guttenberg stamme keine von den von den Plagiaten betroffenen Autoren. Deswegen sei ein öffentliches Interesse für eine Strafverfolgung nötig. Dem Bericht zufolge gab die Staatsanwaltschaft an, zunächst den Sachverhalt genau ermitteln zu wollen. Danach sollte festgestellt, ob er strafbar sei, und erst dann werde ein öffentliches Interesse geprüft.