Libyen-Einsatz

"Das Ziel der Koalition ist erreicht"

Gaddafis Flugbasen sind zerstört, die Luftwaffe außer Kraft gesetzt. Und trotzdem führt die westliche Koalition der Willigen ihren militärischen Einsatz in Libyen fort. Hanspeter Mattes, Libyen-Experte des Hamburger GIGA-Instituts, beurteilt das weitere Vorgehen der Koalition gegen Bodenstellungen und Panzer Gaddafis kritisch.

"Der Einsatz war von der Arabischen Liga gewünscht, aber unter der Durchsetzung eines Flugverbots hat sie sich etwas anderes vorgestellt", so der Experte. Die Aufständischen in Bengasi seien zumindest im Moment noch froh über die Schützenhilfe des Westens aus der Luft. Nur so vermögen sie es, ihre Stellung zu halten und weiter in den von Gaddafi kontrollierten Westen vorzustoßen. Mattes geht allerdings davon aus, dass es den Rebellen ohne weitere Hilfe von außen nicht gelingen wird, ihren Befreiungskampf fortzuführen.

"Es fehlt ihnen an Waffen, sie hoffen auf Lieferungen ihrer arabischen Nachbarstaaten." Der Libyen-Fachmann bezweifelt allerdings, dass die Rebellen diese Unterstützung bekommen werden. Deshalb werde eine Teilung Libyens in einen von Gaddafi kontrollierten Westen und ein von den Aufständischen geführten Osten wahrscheinlicher.

Die Unterstützung für die Intervention des Westens könnte bald schwinden, glaubt Hanspeter Mattes. Die Vorgaben der UN-Resolution seien erfüllt, das Flugverbot durchgesetzt. Ein weiteres Eingreifen und eine Bombardierung Gaddafi-treuer Truppen gehen über das Mandat der Vereinten Nationen hinaus. Auf diese Weise stehe nicht mehr länger die Militärintervention, sondern ein Regimesturz im Mittelpunkt. Das werfe die Frage auf, auch in Ländern wie dem Jemen, Syrien, Jordanien oder Algerien zu intervenieren. "Wo kommen wir denn da hin?", fragt Hanspeter Mattes. Wenn es schon die arabischen Bruderländer nicht für notwendig erachteten, in Libyen einzugreifen, sei ein europäisches Engagement nicht nachvollziehbar. Mattes plädiert dafür, der Westen solle sich zurückhalten und die Klärung der Fragen den Libyern selbst überlassen. "Ansonsten setzten wir uns doch dem Vorwurf des Kolonialismus aus!" Mattes vermutet, die Amerikaner haben dieses Dilemma vorhergesehen: "Die waren scheinbar schlau genug, das Kommando auf die Europäer abzuwälzen." Ob sich die Pattsituation in Libyen auflöse, sei nicht vorherzusagen.