Jahr der Wälder

Waldkulturerbe der Menschheit

Die Vereinten Nationen haben 2011 zum "Internationalen Jahr der Wälder" erklärt. Es soll auf die besondere Verantwortung der Menschen für die weltweit rund vier Milliarden Hektar Wald hinweisen. In Deutschland ist der Auftakt am Internationalen Tag des Waldes, am heutigen Montag. Die bundesweiten Aktivitäten stehen unter dem Motto "Entdecken Sie unser Waldkulturerbe!".

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) erklärte: "Wir dürfen den Wald nicht einseitig fordern oder gar überfordern. Wir müssen Wege finden, die vielen Ansprüche an den Wald wie Klimaleistung, Artenbiotop, Rohstofflieferant und Erholungsraum aufeinander abzustimmen. Schutz und Nutzung des Waldes müssen miteinander im Einklang stehen."

Wälder bedecken derzeit noch fast ein Drittel, 31 Prozent, der Landoberfläche der Erde. Sie sind die produktivsten Landökosysteme. Vier von fünf aller an Land lebenden Arten kommen in Wäldern vor. Außer für Biodiversität und Bodenschutz spielen die Wälder eine Hauptrolle für das Weltklima, weil sie große Mengen Kohlenstoff in ihrer Biomasse binden. 40 Prozent des Sauerstoffs werden zwischen Wipfel und Wurzel erzeugt, indem das Treibhausgas Kohlendioxid durch Fotosynthese umgewandelt wird.

Nach Berechnungen der Internationalen Union für die Bewahrung der Natur und natürlicher Ressourcen (IUCN) sind Wälder die Lebensgrundlage von mehr als 1,6 Milliarden Menschen. Das ist jeder vierte Erdenbürger. Die größte Herausforderung für Waldschützer ist es, den Raubbau durch großflächige Abholzung zu verhindern. So gehen für die Beschaffung von Brennholz in Entwicklungsländern und die Anlage von Plantagen für Ölpalmen große Waldflächen verloren. Dies hat in halbtrockenen Klimazonen zunehmende Verwüstung zur Folge. Auch in Deutschland sehen Umweltschützer Gefahren beim Klimaschutz. Der deutsche Wald büße zunehmend seine Wirkung ein, warnt der Präsident des Naturschutzbundes (Nabu), Olaf Tschimpke. "Er kann seine wichtige Funktion als Senke des Klimagases CO2 nur wahrnehmen, wenn er schonend behandelt und nicht übernutzt wird." Der deutsche Wald habe vor 20 Jahren noch 17 Millionen Tonnen Kohlenstoff pro Jahr neu gebunden. Heute seien es laut einer Studie der Bundesregierung nur noch 4,7 Millionen Tonnen. Heute würden 93 Prozent des jährlichen Holzzuwachses abgeschöpft, sagt Tschimpke. Der Nabu fordert auch mehr Urwälder in Deutschland. Flächen, in denen sich der Wald ungestört nach den Gesetzen der Natur entwickeln kann, nehmen nur noch ein Prozent der Waldfläche Deutschlands ein, sagt Waldexperte Johannes Enssle. Der Nabu schlägt vor, etwa fünf bis zehn Prozent der Waldfläche der Natur zu überlassen. Die Umweltschützer verlangen sparsameren Umgang mit Holz. Nötig seien eine Abkehr von den Biomasse-Subventionen und auch eine Verringerung des Papierverbrauchs.

Man setze sich "für eine nachhaltige Nutzung sowohl der deutschen als auch der weltweiten Wälder ein", hält der Sprecher des Bundesagrarministeriums Holger Eichele dagegen. "Es soll nicht mehr Holz genutzt werden, als der Wald nachhaltig liefert." Allein in den letzten 40 Jahren sei die Waldfläche rund zehn Prozent auf 11,1 Millionen Hektar gewachsen. Ein Drittel Deutschlands sei von Wäldern bedeckt. Zu rund 3,4 Milliarden Kubikmeter Holz kämen jährlich 100 Millionen Kubikmeter hinzu. Nur 48 Millionen Kubikmeter seien 2009 abgeholzt worden.