Gesundheit

Chinesen kaufen aus Angst vor Strahlung alle Salzvorräte auf

Chinas Nationale Speisesalz-Industriegruppe verhielt sich geschäftsschädigend: Der Marktführer unter den Salzkonzernen rief seinen Kunden zu, kein Körnchen Salz mehr zu kaufen. "Hört auf, blindlings" die Geschäfte leer zu räumen. Es gebe kein Versorgungsproblem. "Wir sitzen auf Bergen von Salz."

Der Ruf gegen die Panikkäufe verhallte ungehört. Hunderttausende Chinesen hat eine irrationale Nuklearfurcht gepackt, so, als ob die havarierten Atomkraftwerke nicht in Japan, sondern bei ihnen stünden. Strahlengerüchte trieben die Massen an, sich Salz en masse zu beschaffen. Bei den Apotheken waren die gegen Verstrahlung schützenden Jodtabletten ausverkauft. Da Jod Bestandteil in Chinas Salz ist, griffen die Städter ersatzweise zum Salz. Gewitzte Pekinger brachten zum Einkaufen gleich Paletten auf Rädern mit. Vor Salzgroßläden in Ostchinas Hangzhou standen die Käufer in langen Schlangen an.

Vier Tage nach Japans Erdbeben hatten über SMS, Mikroblogs oder Mundpropaganda umlaufende Gerüchte, dass China verstrahlt würde, die Bürger zum Salz getrieben. Eine falsche Nachricht kam hinzu: Die Meere seien so belastet, dass dort kein Salz mehr gewonnen werden könne. All das fachte am Mittwoch zunächst den Käufersturm in der Küstenprovinz Guangdong an. Die Kosten für eine 450-Gramm-Packung Salz sprangen vom Richtpreis 1,30 Yuan (15 Cent) auf zehn Yuan (1,10 Euro) schrieb die "Kanton Tageszeitung". Vergebens warnten Behörden vor den Gerüchten. Die Meere seien gar nicht verstrahlt. Salz gebe es in China in Hülle und Fülle. Zudem kämen mehr als 90 Prozent des Salzes aus dem Bergbau und nicht aus dem Meer. Doch niemand glaubte ihnen. Pekings Staatsplaner des NDRC mussten Donnerstagnacht in einer Krisensitzung die Salzkonzerne anweisen, ihre Lagervorräte auf den Markt zu werfen. Freitagmittag meldete der Staatssender CCTV Vollzug. Pekings Geschäfte erhielten 2000 Tonnen Salz, so viel, wie sonst nur in zwei Monaten abgesetzt wird.