Atom-Alarm in Japan

120 Menschen arbeiten jetzt am Unglücks-Reaktor

Im schwer beschädigten japanischen Atomkraftwerk Fukushima 1 ist die Gefahr einer Kernschmelze noch nicht gebannt. Sechs Wasserwerfer des Militärs spritzen seit zwei Tagen ununterbrochen Meerwasser in die Trümmer, um ein Überhitzen der Brennstäbe zu verhindern. Die japanischen Experten haben inzwischen Unterstützung aus den USA erhalten, die einen weiteren Wasserwerfer zur Verfügung stellten.

Eine neu verlegte Stromleitung soll bis spätestens Sonntag in Betrieb genommen werden, um den Kühlkreislauf wieder in Gang zu setzen. Es ist aber fraglich, ob die Pumpen des Systems überhaupt noch funktionsfähig sind. Die etwa 50 Helfer am Atomkraftwerk erhielten Verstärkung, 120 Menschen arbeiten jetzt dort. 140 Feuerwehrleute aus dem 250 Kilometer entfernten Tokio trafen zusätzlich in Fukushima ein.

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) nannte die Situation "extrem ernst". In Japan finde ein Wettlauf mit der Zeit statt, um einen Super-GAU zu verhindern. Experten diskutieren bereits, ob das gesamte Atomkraftwerk unter einem Berg aus Sand und Beton begraben werden könnte. Die Methode, die bereits 1986 beim Störfall in Tschernobyl zum Tragen kam, sei ein letzter Ausweg, teilten Ingenieure des Betreibers Tepco mit. Die Gefährlichkeit des Störfalls in Fukushima 1 ist von Japan auf das INES-Level 5 hinaufgestuft worden. Damit liegt der Unfall zwei Stufen unter der Katastrophe von Tschernobyl. Insgesamt gibt es sieben Stufen.

Luftbrücke für die Opfer

Zur Versorgung der Erdbeben- und Tsunami-Opfer richtet die EU eine Luftbrücke ein. 15 Zivilschutzexperten würden sich auf den Weg nach Tokio machen, um die Verteilung von Hilfsgütern zu organisieren, sagte Kommissionssprecher Raphael Brigandi. Die Regierung in Tokio hatte die EU um Beistand gebeten. Bislang haben neun Mitgliedsstaaten Angebote gemacht, so könnten bereits 100 000 Bettlaken, 1300 Feldbetten, aber auch Stromgeneratoren und anderes Gerät nach Japan geflogen werden, sagte Brigandi. In den kommenden Tagen wollten die EU-Experten mit den lokalen Partnern einen zentralen Umschlagplatz für die Verteilung der Hilfsgüter aufbauen.

Die Krise in Japan hat die großen Industriestaaten erstmals seit zehn Jahren zu einem gemeinsamen Eingriff am Devisenmarkt getrieben. Die G-7-Staaten Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, USA und Kanada griffen ihrem Partner Japan unter die Arme und beschlossen den Verkauf der japanischen Währung in globalem Stil. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) wertete die konzertierte Aktion als "Signal der Solidarität" mit den Japanern.

Inzwischen werden die Auswirkungen für die Weltwirtschaft immer sichtbarer. Vor allem die Luftfahrt erwartet einen herben Dämpfer. Mit General Motors, Apple und Boeing müssen sich jetzt auch große Unternehmen auf zum Teil empfindliche Lieferunterbrechungen einstellen.