Nach Katastrophe

Schockmomente auf der Internationalen Tourismusbörse

Experten vergleichen die Katastrophe in Japan mit dem Tsunami von 2004: Ein schweres Erdbeben und eine riesige Flutwelle verwüsteten damals das Land. Es gab Tote, Verletzte und große Sachschäden. In Berlin sind Bestürzung und Anteilnahme groß.

"Den Menschen in unserer Partnerstadt Tokio und in ganz Japan gilt in diesen Stunden die Solidarität und das Mitgefühl", sagte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit.

Und bei den Japanern? Nach einem ersten Schockmoment herrschte auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin (ITB) eine erstaunliche Gelassenheit. "Das Geschirr ist kaputt, aber das Haus steht noch", sagte Mayu Suzuki. Die Mitarbeiterin der Japan Concierge AG saß beim Frühstück, als sie aus den Nachrichten vom Erdbeben erfuhr. Die Eltern der 30-Jährigen leben in der Nähe von Tokio: "Meine Mutter sagte mir, sie habe noch nie solche Angst gehabt", aber die Familie sei gesund und wohlauf.

Die Telefone liefen heiß

Diese Gewissheit verhalf ihr ein paar Stunden später schon wieder zu jener eigentümlichen Gelassenheit, die allen Vertretern am japanischen Messestand gemein war. So liefen vor allem die Telefone der Reiseanbieter heiß: Unter dem Berliner Funkturm versuchte man fieberhaft, sich ein detaillierteres Bild über die Situation in Japan zu verschaffen. Welche Reiseleiter haben Entwarnung gegeben? Müssen Passagiere ausgeflogen werden? Doch der Telefonkontakt brach immer wieder ab. Bei dem Beben mit der Stärke 8,9 gab es sogar Störfälle in Atomkraftwerken. Die Informationen trudelten in der Messehalle nur häppchenweise ein. "Aus Kyoto haben wir Entwarnung bekommen, unser Reiseleiter hat sich zurückgemeldet", sagte Andrea Siemens von JF Tours. Doch in Tokio ging bis zum frühen Nachmittag niemand ans Telefon. "Unser Chef probiert es weiter. Wir müssen jetzt abwarten, wie sich die Lage entwickelt", so Siemens.

Doch die wesentlichen Fakten waren zu diesem Zeitpunkt schon klar: Gegen 14.45 Uhr Ortszeit (6.45 Uhr in Mitteleuropa) hatte der Boden in Japan zu wackeln begonnen. Das Epizentrum lag 130 Kilometer östlich der Stadt Sendai und knapp 400 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Tokio. In der besonders betroffenen Präfektur Miyagi im Nordosten traf eine zehn Meter hohe Welle auf die Küste, die Lastwagen, Gebäude und Menschen verschlang. Zunächst hieß es, es seien Hunderte Menschen ums Leben gekommen, doch auf der ITB erwartete man wesentlich mehr Opfer und zahlreiche Vermisste. Martin Buck, Direktor des KompetenzCenters Travel und Logistics der Messe Berlin, sprach den Betroffenen in den Katastrophengebieten in Japan und in den vom Tsunami bedrohten Anrainern in Asien und Ozeanien deshalb sein Mitgefühl aus: "Unsere Gedanken sind bei den Opfern und deren Familien, die von der Katastrophe betroffen sind und die unter Umständen in den kommenden Stunden von dem Tsunami bedroht sind." Gelassene Reaktionen erreichten auch die IHK Berlin, die wegen des Erdbebens alle Berliner Unternehmen in Japan abtelefoniert hatte. Es bestehe aber kein Grund zur Beunruhigung, sagte Sprecher Bernhard Schadrowski.