20 Jahre Friedliche Revolution

Nichts darf vergessen werden

Den Berlinern konnte es damals im Jahr 1989 nicht schnell genug gehen. Bloß weg mit der Mauer, war das Gefühl, das die Menschen, die so lange Zeit mit der Mauer leben mussten, hatten. Da waren die Mauerspechte, die stundenlang an dem Beton herumhämmerten, da waren die politisch Verantwortlichen, die die Mauer so schnell wie möglich einreißen ließen.

Die wenigen, die warnten, dass man doch die Erinnerung wachhalten müsste, die wurden nicht gehört.

Und so sind in der einstmals geteilten Stadt nur noch wenige Originalmauerteile zu sehen. Ein paar an der Niederkirchnerstraße in Mitte, ein ganzes Stück - aber neu bemalt - an der East Side Gallery in Friedrichshain. Und an der Bernauer Straße. Dort wurde dann am 13. August 1998 - anlässlich des Jahrestags des Mauerbaus - das nationale Denkmal zur Erinnerung an die Teilung der Stadt und an die Opfer eingeweiht, nachdem in den Jahren zuvor das Umdenken eingesetzt hatte. Immer mehr Menschen fragten sich, wo die Mauer eigentlich gestanden hatte, viele Touristen, vor allem aus dem Ausland, suchten die Mauerreste. Deshalb entschieden sich Bundesregierung und Berliner Senat, eine nationale Gedenkstätte an der Bernauer Straße zu schaffen. Das dort entstandene Denkmal ist nicht unumstritten, denn von dem Schrecken der Zeit spürt man in dieser Anlage wenig. Da ist ein Besuch im gegenüberliegenden Dokumentationszentrum erforderlich, wo über das SED-Regime und die Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft informiert wird. Von einer Aussichtsplattform in dem Gebäude haben die Besucher außerdem einen besseren Blick auf die Maueranlage. Auch die Versöhnungskirche, die wieder aufgebaut wurde, gehört zum Ensemble.

Weil das Interesse an der Geschichte der Mauer in den vergangenen Jahren stetig anstieg - im vergangenen Jahr kamen allein 305 000 Besucher zur Bernauer Straße -, beschloss der Berliner Senat im Jahr 2006, die Gedenkstätte auf über vier Hektar zu erweitern. Eine Stiftung wurde gegründet, damit bei der Erinnerungsarbeit nichts schiefgeht. In dieser Stiftung Berliner Mauer werden nun die Gedenkstätte an der Bernauer Straße und die Erinnerungsstätte, die im ehemaligen Notaufnahmelager Marienfelde entstanden ist, unter einem Dach zusammengefasst. Und die Stiftung ist nun an der Bernauer Straße verantwortlich für den Rückkauf der Grundstücke und für die Bauten wie den Informationspavillon, der auf dem erweiterten Gelände eingerichtet worden ist. Eine ganze Menge Geld wird in das Projekt investiert: rund 26 Millionen Euro.

Ein bisschen müssen sich die Berliner und die Touristen noch gedulden: Im Jahr 2011 soll die dann neue, umfangreiche Gedenkstätte eingeweiht werden. Damit die schreckliche Zeit niemals vergessen wird - weder von den Älteren noch von denen, die die DDR nicht mehr erlebt haben.