Konflikt

Misstrauen zwischen China und Taiwan

Das Portal ist rot in der traditionellen Torform wie beim Kaiserpalast in Peking. Steinerne Löwen bewachen den Eintritt zu zwei Bergstollen, in denen ein so wertvoller Schatz lagert, dass ihre Eingänge durch Stahltüren gesichert sind.

Tief in den langen Gängen im Norden der Stadt Taipeh, lagern 1028 hölzerne oder aus Metall gefertigte Kisten. Was darin erdbebensicher und feuerfest aufbewahrt wird, ist "unbezahlbar", sagt die Führerin. Es sind 19 846 Porzellane, die einst die Kaiser Chinas sammelten. "Sie sind noch so aufbewahrt, wie sie vor 61 Jahren von Nanking aus auf Schiffen nach Taiwan gebracht wurden", sagt Chou Kung-Hsin. Sie ist Direktorin des Nationalen Palastmuseums, unter dem die Bergstollen liegen. Die Porzellane sind nur ein Teil der 608 985 Objekte, die einst im Pekinger Kaiserpalast "Gugong" aufbewahrt wurden. Die Nationalregierung Tschiang Kai-Sheks brachte Chinas wertvollste Kulturgüter zuerst vor dem Zugriff der Japaner in Sicherheit. Danach rettete sie sie vor den Armeen Mao Tsetungs und verschiffte sie nach Taiwan.

Seit 1949 ist China nicht nur in Taiwan und die Volksrepublik geteilt. Seit 60 Jahren gibt es auch zwei Palastmuseen, von denen das auf Taiwan die besten Stücke des Kulturerbes besitzt. Ein Zeitzeuge ist der 71-jährige Kunsthistoriker Zhuang Ling. Er hat als Zehnjähriger auf einer der Schatzkisten während der Schiffsüberfahrt geschlafen. Sein Vater Zhuang Yan war Kurator der kaiserlichen Sammlungen und kam mit ihnen nach Taiwan. Damals hoffte er noch, bald wieder zum Kaiserpalast zurückkehren zu können. Er starb 1980, ohne Pekings Gugong wiederzusehen. Der Vater kann nun auch nicht mehr die neue Annäherung zwischen den Museen miterleben. Drei Stockwerke über den Lagerstollen schlägt Taiwans Palastmuseum aber nun den ersten Schritt auf dem langen Weg zur Wiedervereinigung der Sammlungen ein. Nach sieben Monaten direkter Verhandlungen hat das Pekinger Gugong aus seinen Beständen 37 Exponate für eine Ausstellung beigesteuert. Ein kleiner Schritt, aber ein Fortschritt.

Nach Jahrzehnten Scharmützel setzt Peking auf Annäherung über pragmatische Schritte. Direkte Verbindungen im Flug- und Schiffsverkehr wurden aufgenommen. Festlandchinesen dürfen als Gruppenreisende nun Taiwan besuchen. Der Austausch zwischen den Staaten der 1,3 Milliarden Chinesen und der 23 Millionen Taiwaner, die sich seit 1945 technisch noch im Bürgerkrieg befinden, ist also keine Einbahnstraße mehr. Aber es ist noch ein weiter Weg, denn Pekings Militär lässt bislang keine seiner 1500 Raketen abbauen, die es gegen Taiwan in Stellung gebracht hat. Taiwans Regierung bleibt auf der Hut. Auch das Museum wird seine Sammlungen erst dann in Festlandchina ausstellen, wenn sich Peking gesetzlich verpflichtet, dabei keines der Kulturgüter der Nation zu beschlagnahmen.