Integration

Forscher verwerfen Thesen aus Sarrazins Buch

Thilo Sarrazin hat aus Sicht einer Forschungsgruppe der Berliner Humboldt-Universität (HU) in seinen provokanten Thesen zur fehlenden Integrationsfähigkeit muslimischer Zuwanderer wichtige Untersuchungen nicht berücksichtigt.

"Er ignoriert einfach Studien, die für Wissenschaftler und Fachleute von zentralem Gewicht sind - das ist verwunderlich, wenn man den Anspruch erhebt, wissenschaftlich schreiben zu wollen", sagte die Politikwissenschaftlerin Naika Foroutan. Das Buch "Deutschland schafft sich ab" des Ex-Bundesbankvorstands und früheren Berliner SPD-Finanzsenators hält sich seit geraumer Zeit an der Spitze der Bestsellerlisten. Foroutan ist Herausgeberin eines Dossiers, in dem Thesen Sarrazins zu Muslimen in Deutschland auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft werden. "Sarrazin stilisiert sich als Tabubrecher", sagte Foroutan. "Wir wollten aber darauf hinweisen, dass bei den Leuten, die täglich beruflich Integrationsarbeit leisten, die Problemlagen der Integration schon wesentlich länger bekannt sind. Seit fünf Jahren ist man dabei, Lösungsstrategien zu entwickeln und Missstände langfristig zu beseitigen, und seither ist einiges passiert." Eine Zeitspanne von fünf Jahren möge vielleicht kurz erscheinen. Aber wenn man sich überlege, dass es vor fünf Jahren Facebook noch nicht gab, was heute für viele Menschen ein selbstverständliches Kommunikationsinstrument ist, dann werde klar, wie viel sich in fünf Jahren doch verändern könne.