Betreuung

NRW will schon kriminelle Neunjährige ins Heim stecken

Verhaltensauffällige Kinder sollen künftig schon mit neun Jahren in "pädagogisch hochintensiven Betreuungseinrichtungen" untergebracht werden, um sie vor einer Karriere als Intensivstraftäter zu schützen.

Das plant die rot-grüne Landesregierung in NRW. Landesinnenminister Ralf Jäger (SPD) sagte der Berliner Morgenpost, in diesen Einrichtungen werde ein deutschlandweit bislang unerreichtes Betreuungsverhältnis geschaffen: Jedes Kind soll einen Betreuer ganz für sich bekommen. Eine solche Betreuung dürfte zwischen 50 000 und 60 000 Euro pro Kind und Jahr kosten. Die Landesregierung wird erste Modellprojekte schon 2011 mit rund 20 Millionen Euro finanzieren. Bisher scheiterten alle Versuche, die Zahl der rund 3000 jungen Intensivstraftäter in NRW deutlich zu senken. Ob weiche Methoden wie Sozialstunden oder harte wie der sogenannte Warnschussarrest und die langfristige Inhaftierung in Jugendvollzugsanstalten - nichts konnte verhindern, dass zwischen 70 und 80 Prozent der Bestraften wieder rückfällig wurden. Auch die von der CDU propagierten Drill-Lager für junge Intensivtäter änderten daran nichts - weil sie zackig klingende Theorie blieben.

Nur zu diesem frühen Zeitpunkt und durch intensive Pädagogik lassen sich auffällige Kinder laut Innenminister Jäger noch prägen. Eine so frühe Intervention ist laut Vertretern der Jugendhilfe auch praktikabel, weil etwa 80 Prozent aller auffälligen Kinder schon gegen Ende der Grundschulzeit mit hoher Wahrscheinlichkeit erkennen ließen, ob sie später die Intensivtäterlaufbahn einschlagen würden. Bis zum vollendeten 14. Lebensjahr dürfen Kinder zwar nur in offenen Heimen betreut werden. Doch der NRW-Innenminister sieht einen Weg, die Rund-um-die-Uhr-Betreuung trotzdem zu realisieren: Würden die offenen Einrichtungen in abgelegenen Ecken und auf dem Land errichtet, hätten Kinder "keine Anreize zum Weglaufen".