Kommentar

Integration fordert beide Seiten

Erst ein Buch, dann eine Präsidentenrede und gestern die Debatte im Bundestag. Integration ist endlich zum großen Thema geworden.

Jetzt gilt es zu verhindern, dass schnell wieder unter den Teppich der Political Correctness gefegt wird, was zu Recht zunehmend die Gemüter bewegt. Seit Jahren hilft das alt vertraute Motto, "Hauptsache, wir haben mal drüber geredet", bei der Integration bestimmter Migrantengruppen nicht weiter. Es hat die Probleme nur weiter verschärft, das Unverständnis zwischen Mehrheitsgesellschaft und den Zugewanderten wachsen lassen. Wenn im Bundestag bereits über den achten "Bericht über die Lage der Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland" debattiert und der Erfolg der Integration an der Vielzahl dieser regierungsamtlichen Berichte gemessen wird, kann es für die Zukunft doch nur heißen: weniger reden, mehr handeln. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer, setzte dafür gestern zwei deutliche Signale. Die Mittel für Integrationskurse, insbesondere für das Erlernen der deutschen Sprache, werden erhöht, zudem sollen ausländische Bildungsabschlüsse anerkannt werden.

Sprache, Bildung und Ausbildung bleiben - gute Absichten bei der Einwanderung vorausgesetzt - die Schlüsselqualifikationen, um sich in die Mehrheitsgesellschaft einzufinden. Voraussetzungen und Chancen dafür zu schaffen, ist auch Aufgabe des Staates. Aber sie fällt nicht ihm allein zu. Verpflichtet sind ebenso die Immigranten, Förderangebote zu nutzen; die islamischen Vereinigungen, die sich nicht als Staat im Staate missverstehen dürfen, oder Eltern, die sich um die schulische Entwicklung ihrer Kinder zu kümmern haben. Was dieser Tage aus einigen Berliner Schulen an Mobbing, Bildungsverweigerung und Regelverstößen durch Jugendliche mit ausländischen Wurzeln bekannt wird, spricht allen Integrationsbemühungen Hohn. Fördern und Fordern, dieses von Maria Böhmer noch einmal bekräftigte Handlungsprinzip deutscher Integrationspolitik, muss endlich konsequenter als bislang durchgesetzt werden - mit Zuwendungen wie mit Zwängen.

Manche insbesondere aus islamischen Ländern stammende Zuwanderer tun sich schwer mit der freiheitlichen Gesellschaftsordnung in unserem Land, mit der Trennung von Staat und Kirche. Dennoch hat Bundespräsident Christian Wulff recht, wenn er in seiner Rede am deutschen Einheitstag sagte, auch der Islam gehöre inzwischen zu Deutschland. Aber anders als das Christentum gehört der Islam sicherlich nicht zum Wurzelgeflecht deutscher Geschichte und Kultur. Meint hoffentlich auch der Präsident, dem in diesem Zusammenhang ähnlich klare Worte zu wünschen gewesen wären, wie er sie ein paar Sätze später fand. Da mahnte er: Wer unsere Verfassung, unser Land und seine Werte missachtet, den erwarte entschlossene Gegenwehr.