Einheitsdenkmal

Drei Sieger und noch immer kein Gewinner

Mit großer Spannung wurde gestern die Bekanntgabe des Siegers des Wettbewerbs für das Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin erwartet. Nachdem 2009 der erste Wettbewerb gescheitert war, weil keiner der Vorschläge den Vorstellungen der Jury entsprach, waren die Erwartungen nun, nach 20 Jahren Einheit, umso größer.

Und umso überraschter und auch enttäuschter reagierten die zahlreichen Gäste im Martin-Gropius-Bau, als Kulturstaatssekretär Bernd Neumann (CDU) gleich drei Sieger für das Einheitsdenkmal präsentierte. "Einer der Entwürfe wird verwirklicht", stellte Neumann sogleich klar und zerstreute die Bedenken, dass am Ende gar kein Kunstwerk errichtet werde. Zugleich betonte er, wie schwierig es sei, ein Denkmal zu finden, das allen zusagt. "Auch eine Jury tat und tut sich schwer." Das ist offensichtlich so, denn an jedem gekürten Sieger hatte die Jury noch Kritikpunkte anzumelden, daher sollen alle Siegerentwürfe nachgearbeitet werden, bis der wahre Gewinner feststeht. Fest steht: Das Denkmal für Freiheit und Einheit soll ein "nationales Symbol" in der Mitte der deutschen Hauptstadt werden. Standort soll der Sockel des ehemaligen Nationaldenkmals für Kaiser Wilhelm I. am Schlossplatz sein.

Eines der Siegerprojekte heißt "Bürger in Bewegung" (Milla und Partner in Stuttgart) und ist eine gigantische Schale, die sich in eine Richtung bewegt - je nach Gewicht, das auf ihr lastet. Die Bürger werden quasi selbst Nutzer und Teil des Denkmals. Für Bauchschmerzen sorgte bei einigen Jury-Mitgliedern die Monumentalität der Installation. Auch gab es Sicherheitsbedenken und die Frage, ob die begehbare Riesenschale nicht zu schwer sei für das darunterliegende Spree-Kanal-Gewölbe.

Der nächste Siegerentwurf des Bildhauers Professor Stephan Balkenhol aus Karlsruhe heißt "Der Kniende": Ein monumentaler kniender Mann soll die Freiheit des Einzelnen zur Diskussion stellen. Die fünf Meter hohe Gestalt ist ein Solitär, der für eine Bewegung stehen soll. Doch auch die Geste des Kniens sorgte bei der Jury für Diskussionsstoff. Ist nicht heute öfter vom "aufrechten Gang" die Rede als vom demütigen Knien, wenn es um die jüngste deutsche Vergangenheit geht? Und warum eigentlich ein Mann und nicht eine Frau? Wird ein Einzelner einer Volksbewegung gerecht?

Der dritte Sieger, Professor Andreas Meck der Meck Architekten aus München, hat ein transparentes Dach aus Buchstaben, welches auf Stützen steht, vorgelegt. Die Konstruktion zeigt die Bundesländer und die Sprache als gemeinsame verbindende Kraft. Für die Jury zeigte sich hier eine "aussagekräftige Symbolik".

Nun sollen alle drei Entwürfe nochmals überarbeitet werden. Bei dem neu von der Bundesregierung ausgelobtem Wettbewerb waren zuletzt 28 von 386 Entwürfen in der Auswahl.