Kopf des Tages

Senatorin auf dem Absprung

Seit Monaten wird in Berlin über eine mögliche Umbildung des Senats vor der nächsten Wahl 2011 spekuliert. Schließlich haben einige Senatoren deutlich das 60. Lebensjahr überschritten. Aber während es über Innensenator Ehrhart Körting (65), Finanzsenator Thilo Sarrazin (63) und Jürgen Zöllner (62) heißt, sie würden in ihren Ämtern noch gebraucht, sagt das kaum jemand über Heidi Knake-Werner (65).

Die Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales von der Linkspartei gilt als heißeste Wechsel-Kandidatin - und das nicht erst, seit sie wegen eines von ihr ausgelösten millionenteuren Umzugskarussells bei mehreren Behörden in die Kritik geraten ist. Politisch ist die ehemalige Parlamentarische Geschäftsführerin der PDS-Bundestagsfraktion, die von 1994 bis 2001 im Bundestag saß, in den letzten Monaten abgetaucht. Ihr Prestigeprojekt, der öffentlich geförderte Beschäftigungssektor, steckt zwischen Bundesregierung, Job-Centern und Berliner Senatsverwaltung fest. Ihren Kampf für einen großzügigen Umgang mit Berlins Hartz-IV-Empfängern und deren Wohnkosten kann sie mit Rücksicht auf den Koalitionspartner SPD allenfalls im Verborgenen führen. Gerüchte, sie sei amtsmüde, flackern auch in ihrer eigenen Partei immer wieder auf. Mit Fraktionschefin (und Arbeitsmarktsexpertin) Carola Bluhm stünde eine frische Nachfolgerin bei Fuß.

Dass Heidi Knake-Werner es jemals bis in die Regierung eines deutschen Bundeslandes bringen würde, mutet noch sensationeller an als bei vielen ihrer Parteifreunde. In den 70er-Jahren gehörte sie für die SPD dem Stadtrat von Oldenburg an. Aber die promovierte Sozialwissenschaftlerin, die an den Universitäten von Oldenburg und Bremen tätig war, schied 1981 im Streit über die Berufsverbote aus der SPD aus und wandte sich der DKP zu. Erst 1987, während eines Aufenthalts zum Grundlagenstudium an der Akademie der KPdSU in Moskau, wo sie die Debatte um Glasnost und Perestroika erlebte, begann ihre Abkehr von den orthodoxen Kommunisten. 1990 trat sie aus der DKP aus und ging zur PDS. 2001 überredete sie Gregor Gysi, in den ersten rot-roten Senat zu wechseln. Dort erledigte sie meist lautlos ihren Job. Gleichwohl haderte die langjährige Systemoppositionelle immer wieder mit den Zwängen des Regierens.

Seite 12