In Berlin kommt die Kandidatin besser an

- Bei den Bürgern der Bundeshauptstadt kommt Gesine Schwan als SPD-Kandidatin für die Bundespräsidentenwahl erheblich besser an als im Rest des Landes. Dennoch liegt die langjährige FU-Professorin auch in Berlin deutlich hinter Amtsinhaber Horst Köhler zurück. Und auch in Berlin würden die Sympathisanten von SPD und Linkspartei im Fall einer Direktwahl des Staatsoberhauptes eher Köhler als Schwan wählen.

Das ist das Ergebnis einer Umfrage von Infratest Dimap im Rahmen des Berlin-Trends der Berliner Morgenpost und der RBB-"Abendschau". Die Meinungsforscher befragten zwischen dem 6. und 9. Juni 1000 wahlberechtigte Berliner.

Demnach würden in der Hauptstadt 33 Prozent für die Berliner Sozialdemokratin stimmen, 57 Prozent gaben an, sie würden bei einer Direktwahl für Köhler votieren. Zehn Prozent haben keine Meinung. Im Bundesvergleich schneidet der von Union und FDP unterstützte Köhler weitaus besser ab. 75 Prozent sprechen sich für den Bundespräsidenten aus, nur 17 Prozent wären für Gesine Schwan.

Auch im rot-rot regierten Berlin hat die Kandidatur der Politik-Professorin und Rektorin der Viadrina-Universität in Frankfurt (Oder) nicht dazu geführt, die Parteigänger geschlossen hinter den Vorschlag der SPD-Führung zu scharen. 47 Prozent der SPD-Wähler würden Köhler bevorzugen, 46 Prozent Schwan. Im Lager der Linken, deren Wahlmänner die SPD-Kandidatin in der Bundesversammlung unterstützen müssten, sind nur 42 Prozent für Schwan, 47 Prozent aber für den amtierenden Bundespräsidenten. Nur unter den Anhängern der Grünen unterstützt mit 65 Prozent eine deutliche Mehrheit die frühere FU-Professorin.

Auch in ihrer Hochburg Berlin muss die SPD nach den Ergebnissen des Berlin-Trends feststellen, dass die Nominierung Schwans keinen Rückenwind für die Partei bringt. In einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag des "Sterns" und des Senders RTL bleibt die SPD auf ihrem Rekordtief von 20 Prozent. Forsa schätzt die SPD traditionell immer besonders schlecht ein. Andere Meinungsforschungsinstitute wie Emnid, Infratest Dimap oder die Forschungsgruppe Wahlen haben die Sozialdemokraten in den vergangenen Tagen bei 24 oder 25 Prozent gesehen. Die CDU/CSU sinkt nach ihren Streitigkeiten über Steuerpolitik und die Pendlerpauschale bei Forsa um einen Punkt auf 35 Prozent. Die FDP erreichte ein Jahreshoch von 14 Prozent, die Grünen verschlechtern sich um einen Punkt auf 11 Prozent, und die Linken bleiben stark bei 15 Prozent.

Ein weiteres Ergebnis der neuesten Forsa-Umfrage dürfte SPD-Chef Kurt Beck nicht gefallen: Demnach hat jedes dritte SPD-Mitglied in letzter Zeit daran gedacht, sein Parteibuch zurückzugeben. Sechs Prozent sagten, sie wollten in Kürze austreten. Die SPD hat bundesweit 532 000 Mitglieder. 59 Prozent stützten den Kurs der Parteiführung, eine Zusammenarbeit mit den Linken im Bund abzulehnen. Aber 39 Prozent sind für eine Kooperation mit den Linken.

Bei der Berliner SPD will man keine Frustration der Mitglieder beobachtet haben. Der Bestand an Genossen sei stabil, sagte ein Parteisprecher. Er lag am 31. Mai bei 15 862, zu Jahresbeginn waren es 100 mehr. Die letzte Welle inhaltlich begründeter Austritte hatten die Aussagen von Finanzsenator Thilo Sarrazin zur Ernährung von Hartz-IV-Empfängern ausgelöst.