Junge Ausländer haben kaum Chancen auf eine Lehrstelle

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Jugendliche ausländischer Herkunft haben es in Berlin ungleich schwerer, einen Ausbildungsplatz zu finden als gleichaltrige Deutsche.

Berlin - Jugendliche ausländischer Herkunft haben es in Berlin ungleich schwerer, einen Ausbildungsplatz zu finden als gleichaltrige Deutsche. Nach Daten der Senatsverwaltung für Arbeit, die jetzt auf eine Anfrage des Kreuzberger Grünen-Abgeordneten Özcan Mutlu bekanntgegeben wurden, waren 2004 von den 31 229 Ausbildungsverträgen aus dem Bereich der Industrie und Handelskammer nur 1239 mit ausländischen Jugendlichen besetzt. Im Handwerk sieht das Verhältnis mit 890 von 16 487 nur wenig besser aus.

Obwohl der Anteil ausländischer Schulabgänger zwischen 2000 und 2005 von 12,2 auf 13,4 Prozent gestiegen ist, sank ihr Anteil an den Azubis von 5,2 auf 4,5 Prozent. Das bedeutet, daß ein Großteil der jungen Einwanderer ohne qualifizierte Berufsausbildung bleibt, denn auch unter den Studenten sind Ausländer eine kleine Minderheit. Schon unter den Bewerbern für eine Lehrstelle sind Einwandererkinder laut Senat deutlich unterrepräsentiert. Zwar sinkt auch die Zahl der ausländischen Bewerber, aber nicht so schnell wie die der Ausbildungsplatz suchenden Jugendlichen insgesamt. Hatten sich 2004 noch mehr als 32 000 Berliner Jugendliche um eine Lehrstelle beworben, waren es 2005 nur noch 29 461. Die Zahl der Ausländer darunter ging von knapp über 3000 auf 2665 zurück. Dabei muß berücksichtigt werden, das viele jugendliche Migranten nach einer Einbürgerung als Deutsche gelten, obwohl sie oft die gleichen Schwierigkeiten haben wie mit türkischem oder einem anderen ausländischen Paß.

Offenbar versuchen viele ausländische Jugendliche gar nicht erst, einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Jugendliche aus Kreuzberg beklagen, ihre Bewerbungen würden sofort in den Papierkorb wandern, wenn die Unternehmen den ausländisch klingenden Namen und die Postleitzahl der Absender sehen.

Aus Sicht des Senats ist aber neben den immer noch bestehenden Sprachdefiziten vor allem die mangelhafte Schulbildung der Grund für Misere. Ein Drittel aller ausländischen Jugendlichen verließen 2004 die Schule ohne Abschluß oder nur mit dem einfachen Hauptschulabschluß.

Dieses Zeugnis eröffnet laut Senat "in der Regel nur geringe Chancen für die Aufnahme einer Berufsausbildung". Die geringe Schulbildung sei vor dem Hintergrund des stärker werdenden Verdrängungswettbewerbs auf dem Ausbildungsmarkt ein "gravierender Nachteil", stellt der Senat fest.

Wenn ausländische Jugendliche eine Lehrstelle bekommen, dann besonders häufig in einigen wenigen Berufen. Beliebt ist das Friseurhandwerk mit 234 ausländischen Azubis. Einzelhandelskaufleute werden 160 junge Migranten, 103 lernen das Koch-Handwerk. Zur integrierten Elite wird man schon jene 120 zählen dürfen, die Kaufmann für Bürokommunikation lernen. Auch Arzthelferin ist - gerade auch unter muslimischen Mädchen - ein echter Traumberuf. 147 junge Ausländer bereiten sich auf diesen Beruf vor. 91 werden Elektroinstallateur, 40 Kfz-Mechaniker und 41 junge Ausländer lernen Tischler.

jof