Kopf des Tages

Gewiefter Finanzer

Wenn die Bezeichnung "alter Hase" auf jemanden zutrifft, dann auf Joachim Poß.

Er ist ein gewiefter Finanzpolitiker, seit 30 Jahren im Bundestag, seit elf Jahren Vizechef der SPD-Fraktion. Nun übernimmt er von Frank-Walter Steinmeier vorübergehend den Vorsitz. Am Sonntag erst hat der 61-Jährige von den traurigen Umständen erfahren, die Steinmeier dazu zwingen, eine Auszeit zu nehmen, um seiner Frau mit einer Nierenspende zu helfen. In der SPD ist Poß der tonangebende Finanzpolitiker. Er leitet die Projektarbeitsgruppe der Partei, die Eckpunkte eines neuen Steuer- und Abgabenkonzepts ausarbeitet. Poß hat über alle Jahre stets vor einem Auseinanderklaffen der Steuerbelastung gemahnt. In seiner Heimat ist er populär: Seinen Wahlkreis Gelsenkirchen gewann er 2009 als Direktkandidat mit 54,3 Prozent - dem bundesweit besten Erststimmenergebnis der SPD. Im November darauf rückte er in die Führungsspitze der Partei auf und wurde Mitglied des Präsidiums. Dort saß er auch gestern, um die Kursänderung bei der Rente mit 67 auf den Weg zu bringen. Zumindest in der Außendarstellung kann niemand Poß etwas vormachen. Kein anderer Vizefraktionschef ist so umtriebig, die Medien auch am Wochenende mit aktuellen Pressemitteilungen zu bedienen.