Wahlsieg der DPJ

Japans Hoffnung ist weiblich

Mord ist weiblich. Zumindest in der japanischen Politik. Als "Killerinnen" bezeichnete man die Kandidatinnen, die Premierminister Junichiro Koizumi 2005 aufstellte, um missliebige, aber mächtige Parteifreunde aus dem Parlament zu kegeln.

Die Strategie war seinerzeit überaus erfolgreich, ihre Neuauflage hat ein Gutteil zum Wahlerfolg von Japans Oppositionsführer Yukio Hatoyama beigetragen, der mit seiner Demokratischen Partei Japans (DPJ) am Sonntag in einem Erdrutschsieg 308 von 480 Sitzen in der zweiten Kammer des japanischen Parlaments holte und die 55 Jahre lang fast ununterbrochene Herrschaft der Liberaldemokratischen Partei (LDP) beendete.

Ob Hatoyama als Ministerpräsident seine ehrgeizigen Reformen verwirklichen kann, bleibt ungewiss. Doch dass sein Wahlsieg Japan verändern wird, ist heute schon sicher, denn noch nie wurden so viele Japanerinnen ins Unterhaus gewählt - 54 sind es im Vergleich zu 43 in der vergangenen Wahlperiode. Und wenn Japans Politik weiblicher würde, dann wäre das schon fast die Rettung für die krankende Wirtschaftssupermacht.

Denn die gefährliche Wortlosigkeit zwischen den Geschlechtern ist schon länger ein Fall für die Forschung. "Japan hat nie die gesellschaftliche Modernisierung durchlaufen, die andere Industrienationen hinter sich haben", sagt Anette Schad-Seifert. "Und das trägt ganz wesentlich zu seinen wirtschaftlichen und demografischen Problemen bei." Die Leiterin des Ostasien-Instituts der Universität Düsseldorf erforscht die Lage der japanischen Frauen. Diese sticht gegen andere Demokratien krass ab. Der Frauenanteil am Führungspersonal in Unternehmen liegt noch immer unter drei Prozent. In größeren Betrieben sind Frauen vor allem Sekretärinnen, und die meisten scheiden mit dem ersten Kind aus dem Berufsleben aus. "Das Verhältnis von Mann und Frau in Japan ist hierarchisch", sagt Schad-Seifert. "Aber die Japaner sind keine Machos im europäischen oder orientalischen Sinne. Sie sind eher hilflos, weil die traditionellen Strukturen im Umgang mit Frauen versagen."

Aber es gibt eben auch Frauen wie Makiko Tanaka. Die 65-jährige Tochter des berüchtigten Premierministers Kakuei Tanaka gilt mit Eriko Fukuda, ebenfalls Tochter eines Ex-Premiers, als Kandidatin für ein Ministeramt. Sollte ihr wieder das Außenamt zufallen, darf sich die Welt auf eine aktivere Rolle Japans gefasst machen. Ein Zitat, das Tanaka berühmt machte, lautet: "Es gibt drei Arten von Menschen: Verwandte, Feinde und Untergebene."