Entschädigungsfond

Missbrauchsbeauftragte will Geld für die Opfer

Die Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Christine Bergmann, hält einen Fonds zur Entschädigung für Opfer sexuellen Missbrauchs für denkbar. Man müsse darüber nachdenken, allerdings sei sie mit ihren Überlegungen "noch längst nicht am Ende", sagte Bergmann der "Süddeutschen Zeitung".

In den Fonds könnten der Bund und Institutionen einzahlen, in denen Missbrauchsfälle vorgekommen sind. Die kirchenpolitischen Sprecher von Union und Grünen begrüßten diese Idee.

Mögliche Beträge wollte die ehemalige Bundesfamilienministerin, die dem Runden Tisch gegen Missbrauch einen Vorschlag für Entschädigungsregelungen machen soll, allerdings nicht nennen. Viele Opfer erwarteten eine symbolische Anerkennung, manche wollten eine Rente oder zumindest eine Kostenerstattung für Therapien. Überlegungen, die Höhe einer Entschädigung nach der Schwere der Tat zu staffeln, wie das Österreichs katholische Kirche eingeführt hatte, beurteilte Bergmann skeptisch. Es dürfe "keine Opfer erster und zweiter Klasse geben", sagte sie. Es sei kaum möglich, zwischen schweren und leichten Fällen zu differenzieren.

Lediglich Symbolcharakter

Nach Ansicht des kirchenpolitischen Sprechers der Grünen, Josef Winkler, sollte der Runde Tisch gegen Missbrauch bis Ende des Jahres Empfehlungen vorlegen. "Die Opfer erwarten in Entschädigungsfragen zu Recht eine schnelle Einigung", sagte Winkler. Die Regierung müsse deswegen einen Kompromiss vorantreiben. Als Modell könnte die Entschädigungsregelung für in den 50er- und 60er-Jahren in bundesdeutschen Heimen missbrauchte Personen dienen, die für Herbst erwartet wird, sagte er. "Wenn hier eine für die Geschädigten akzeptable Lösung gefunden wird, hätte dies eine wichtige Signalwirkung."

Ein solcher Fonds könne lediglich symbolischen Charakter haben, sagte die Beauftragte der Union für Kirchen und Religionsgemeinschaften, Ingrid Fischbach, zu Bergmanns Vorschlag. Das Leid, das den Opfern angetan worden sei, könne nicht in Geld ausgedrückt werden. "Allerdings sind Entschädigungszahlungen eine Möglichkeit, das Leid der Opfer anzuerkennen und der Betroffenheit auch Taten folgen zu lassen", so Fischbach.

Auch Bergmann sprach sich dafür aus, die Entschädigungsregelung beim Runden Tisch zur Heimerziehung in den 50er- und 60er-Jahren zu berücksichtigen. Gleichzeitig ermunterte die Missbrauchsbeauftragte kirchliche und weltliche Einrichtungen, in denen Kinder missbraucht wurden, eigene Vorschläge zur Entschädigung vorzulegen. "Ihr müsst nicht auf uns warten. Geht vorweg", sagte Bergmann.

Der Runde Tisch zur Heimerziehung war Ende 2008 vom Bundestag beschlossen worden und nahm im Februar 2009 seine Arbeit auf. Er soll Ende dieses Jahres seine Arbeit abschließen und dem Bundestag Empfehlungen für Entschädigungslösungen vorlegen. Der von der Regierung einberufene Runde Tisch Missbrauch war am 23. April erstmals zusammengekommen. Das Gremium mit 60 Teilnehmern aus Bund, Ländern, Kommunen, Kirchen, Wissenschaft und Verbänden wird von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), Familienministerin Kristina Schröder und Bundesbildungsministerin Annette Schavan (beide CDU) geleitet.