Staatliche Abgabe

Künstliches Heroin ab heute verfügbar

Das Gesetz zur geregelten Abgabe von künstlichem Heroin an Schwerstabhängige tritt heute, dem Nationalen Gedenktag für verstorbene Drogenabhängige, in Kraft.

- Die Regelbehandlung mit dem sogenannten Diamorphin sei ein wichtiger Baustein zur Verringerung der Sterblichkeitsrate bei Drogensüchtigen, erklärte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD).

Nach dem Gesetz erhalten Heroinabhängige unter medizinischer Beobachtung und in besonderen Einrichtungen Diamorphin. Sie müssen älter als 23 Jahre und seit mindestens fünf Jahren drogenabhängig sein sowie bereits zwei erfolglose Therapien hinter sich haben. Die Kosten tragen die Krankenkassen. Bislang hatte es die Diamorphinabgabe nur im Rahmen von Modellprojekten in sieben deutschen Städten, unter anderem in Bonn und Köln, gegeben.

Bätzing wies darauf hin, dass im vergangenen Jahr die Zahl der Drogentodesfälle erneut gestiegen sei, auf 1449 Menschen. Viele Drogensüchtige befänden sich in schlechter gesundheitlicher und psychischer Verfassung. Chronische Erkrankungen sowie Hepatitis-Infektionen seien weitverbreitet. Auch die HIV-Infektionsrate liege unter Drogenabhängigen wesentlich höher als in der Gesamtbevölkerung. Drogenkonsumräume könnten dazu beitragen, die Folgeschäden des Drogenkonsums zu reduzieren.

Der Bundestag hatte am 28. Mai nach jahrelangem Streit den Weg zur staatlichen Abgabe von künstlichem Heroin frei gemacht. Der Bundesrat stimmte dem Gesetz, mit dem Diamorphin als verschreibungspflichtiges Betäubungsmittel eingestuft wird, am 10. Juli zu.