Auszeichnung

Soldaten bekommen erstmals Medaille für ihre Tapferkeit

Afghanistan ist weit - und damit auch die Lebensgefahr, in die sich deutsche Soldaten am fernen Hindukusch begeben. Zwar treffen vor allem aus der Provinz Chahar Darreh in der Nähe von Kundus beinahe täglich Meldungen über "Schusswechsel" oder "Feuergefechte" ein, die von der Bundeswehr zu bestehen sind.

- Doch das sind nüchterne Worte, die den Guerillakrieg, in den die Soldaten dort immer wieder verstrickt sind, nur unzureichend beschreiben. Bei ihren Patrouillenfahrten werden sie mit Sprengfallen, Panzerfäusten und Gewehren angegriffen. Um sich zu wehren, müssen sie töten. Und sie werden getötet: 35 deutsche Soldaten sind in Afghanistan bereits ums Leben gekommen.

So wie im Oktober vorigen Jahres. Bei dem Anschlag eines Selbstmordattentäters geriet ein Transportfahrzeug der Bundeswehr nahe Kundus in Brand, zwei deutsche Soldaten, 22 und 25 Jahre alt, und fünf afghanische Kinder starben. Während die Munition auf dem Transporter explodierte, brachten vier ihrer Kameraden unter Gefahr für ihr eigenes Leben mehrere Verletzte in Sicherheit. Dafür wurden die Feldwebel Henry Lukacz aus Jena, Jan Berges aus Siegen, Alexander Dietzen aus Kaiserslautern und Markus Geist aus Würzburg gestern im Kanzleramt mit dem "Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit" ausgezeichnet.

Eine Armee im Einsatz

Dieses Abzeichen wurde Ende vorigen Jahres geschaffen und nun erstmals verliehen. Die Bundeswehr sei eine Armee im Einsatz, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Und eine Armee im Einsatz brauche eine solche Auszeichnung. Auf das, was die Soldaten im Einsatz leisteten, könnten nicht nur sie selbst stolz sein, "sondern das ganze Land".

Ehrenzeichen der Bundeswehr gibt es zwar schon länger. Doch bislang war ihre Verleihung nicht an Taten, sondern vor allem die Dienstzeit geknüpft. Die neue Tapferkeitsmedaille, die sich auch optisch mit goldfarbenem Eichenlaub auf dem Ordensband von den anderen Ehrenzeichen abhebt, ist der Versuch der Bundesregierung, der neuen Gefahrenqualität in Afghanistan gerecht zu werden und Verdienste von Soldaten in Auslandseinsätzen zu würdigen, die "weit über das normale Maß der Pflichterfüllung hinausgehen", wie es im Amtsdeutsch des Verteidigungsministeriums heißt. "In Deutschland wird zu wenig über Leistungen, Belastungen und Risiken der Soldaten gesprochen", sagte Merkel.

Die Verleihung von Tapferkeitsmedaillen ist neben dem Bau eines Ehrenmals für gefallene Soldaten und öffentlichen Gelöbnissen vor dem Reichstag ein weiterer Schritt, um diesen oft tödlichen Kampf stärker als bisher ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. Damit aber sei es nicht getan, meint der Bundeswehrverband. Dessen Vorsitzender, Ulrich Kirsch, forderte eine klarere Kommunikation. "Unsere Frauen und Männer, die in Afghanistan im Einsatz sind, empfinden das als Krieg", sagte er. Dem müsse Rechnung getragen werden, "auch nach draußen hin". Zwar hatte Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU), ebenfalls auf Drängen der Truppe, im Herbst vorigen Jahres begonnen, von gefallenen und nicht nur von getöteten Soldaten zu sprechen. Von einem Krieg aber will er nichts wissen. Die Taliban seien keine Kombattanten, sondern "Verbrecher und Terroristen". Deshalb gelte: "Es ist kein Krieg."