"Sie kontrollieren dich über die Angst"

Der Iran zwingt Protestler zu "Geständnissen", sie seien vom Ausland aufgewiegelt worden. So erging es 2004 auch dem Journalisten Omid Memarian.

- Man warf ihm vor, den Staat im Auftrag regimefeindlicher Kräfte gezielt zu destabilisieren. In der Morgenpost schildert er, mit welchen Mitteln Häftlinge dazu gebracht werden, sich selbst zu belasten:

"Ich wurde am 10. Oktober 2004 verhaftet. Sie kamen in mein Büro und nahmen mich mit, ohne mir zu sagen, was mir vorgeworfen wird. Zunächst legten sie mir Fotos vor, die sie auf meinem Computer gefunden hatten. Ich musste alle Frauen darauf identifizieren. Sie beschimpften mich und behaupteten, es gebe Beweise dafür, dass ich Sex mit einigen gehabt hätte. Ich habe mich mit aller Kraft geweigert, diese Vorwürfe zu bestätigen, um keine Frau in Schwierigkeiten zu bringen.

Danach fingen sie an, über meine Artikel zu reden. Zehn Tage vor meiner Festnahme hatte ,Kayhan', eine ultrakonservative Zeitung, einen Beitrag veröffentlicht, in dem auch mein Name genannt wurde. Der Titel: ,Das Haus der Spione'. Es ging um ein Netzwerk, das daran arbeite, das Image der Islamischen Republik Iran zu beschädigen. Sie fragten mich: ,Wessen Anweisungen bist du gefolgt?' Sie fragten nach bestimmten Leuten. Ich sagte, dass ich diese nie getroffen habe. Da sagten sie: ,Was kümmert es uns.' Mein Geständnis sollte einem rein politischen Zweck dienen.

Zwei Wochen lang blieb ich in Einzelhaft. Ich durfte nur alle acht Stunden auf die Toilette gehen. Sie tun alles, um dir zu zeigen: Du bist ein Nichts. Sie haben mich jeden Tag von sieben Uhr früh bis zwei Uhr nachts verhört. Jedes Mal, wenn ich mich weigerte, die Vorwürfe zu bestätigen, drohten sie: ,Wir werden auch deinen Bruder holen.' Nach 20 Tagen habe ich gestanden. Ich gab also zu, ich hätte Verbindungen zu regimefeindlichen Gruppen. Tatsächlich stimmte nichts davon. Jetzt passiert in den Gefängnissen genau dasselbe wie damals. Sie kontrollieren dich über die Angst, die sie verbreiten."