Moskau

Schwulen-Demo gewaltsam aufgelöst

Die Moskauer Polizei hat gestern eine Demonstration gegen die Diskriminierung Homosexueller in Russland gewaltsam aufgelöst. Die Kundgebung wenige Stunden vor dem Finale des Eurovision Song Contest war von den städtischen Behörden nicht genehmigt worden.

- Polizisten zerrten die rund 30 teilnehmenden Aktivisten in bereitstehende Fahrzeuge.

Die Demonstranten, darunter der britische Aktivist Peter Tatchell, riefen Slogans wie "Schwulenfeindlichkeit ist eine Schande für dieses Land!" und "Wir fordern gleiche Rechte!". Nach nur einer Minute begannen Bereitschaftspolizisten, die Demonstranten zu ergreifen und in bereitstehende Busse zu zerren. Tatchell sprach gerade mit Journalisten, als ihn Polizisten wegrissen. "Das zeigt, dass das russische Volk nicht frei ist", sagte er. Auch der russische Führer der Homosexuellenbewegung, Nicolai Alexejew, und die Aktivistin Ksenia Prilebskaja wurden festgenommen. Polizisten zerrissen Prilebskajas Bluse und BH, als sie sie grob in den Bus stießen.

Mit der Demonstration "Slavic Pride" wollten die Demonstranten ein Zeichen gegen die offen feindselige Haltung vieler Politiker in Russland setzen. Der Moskauer Bürgermeister Juri Luschkow nannte Homosexualität "teuflisch". An einer Demonstration von Gegnern der Homosexuellenbewegung nahmen 50 Personen teil; ein Teilnehmer wurde festgenommen, als er die Machthaber im Kreml als schwul bezeichnete.

Der Grünen-Politiker Volker Beck bezeichnete die Vorgänge in Moskau als Skandal. Er forderte in Berlin die Bundesregierung auf, sich unverzüglich für die Freilassung der festgenommenen Demonstranten einzusetzen. Die Eurovision-Teilnehmer und die übertragenden Fernsehanstalten rief Beck auf, gegen das Vorgehen der russischen Behörden zu protestieren. "Man kann nicht einfach weggucken und zur Tagesordnung übergehen", sagte er in einer Pressemitteilung. "Nun ist Zivilcourage gefragt."