EU-Beitritt

Buschkowsky sieht "Aufwuchs der Orthodoxie"

Das Werben von US-Präsident Barack Obama für eine Aufnahme der Türkei in die EU sorgt auch in Berlin für Widerstand. "Großstädte wie Istanbul, Izmir und Ankara haben mittlerweile ähnliche Integrationsprobleme wie wir", sagt Heinz Buschkowsky (SPD), Bezirksbürgermeister von Neukölln.

- Deshalb lehne er einen Beitritt der Türkei in die EU ab. Zwar muteten die türkischen Metropolen sehr europäisch an, doch immer mehr Menschen aus dem Osten der Türkei siedelten sich in und um die Ballungszentren an - und mit ihnen konservative islamische Werte. "Bei diesen Menschen sind Ehrenmorde hoffähig", sagt Buschkowsky.

Dieser "Aufwuchs der Orthodoxie" habe Einzug in die türkische Politik gefunden. "Die derzeitige Politik von Ministerpräsident Erdogan und seiner Partei fährt im Rückwärtsgang von der Europäischen Union weg." Das gelte auch für die türkischstämmige Bevölkerung in Neukölln. In Schulen würden beispielsweise Wurstbrote auch nicht-muslimischen Lehrerinnen verboten, weil sie nach dem Verzehr einen türkischen Schüler mit den Fingern verunreinigen könnten.

"Die Spannung zwischen gemäßigten und den traditionellen Gruppen wächst - hier und in der Türkei", sagt Buschkowsky. Derzeit zögen viele Aleviten aus Neukölln weg, da sie "nicht in einer islamischen Kultur leben möchten".