Militär

Weltweite Empörung über Nordkorea

Nordkorea hat ungeachtet internationaler Warnungen und des Bruchs von UN-Resolutionen seinen angekündigten Satellitenstart wahr gemacht und damit eine Raketenkrise in Nordasien provoziert.

- Die Vereinigten Staaten, die Europäische Union, Südkorea, Japan und alle Nachbarstaaten bis auf China und Russland brandmarkten den Start als "schwere Provokation", mit der sich "Nordkorea von der Staatengemeinschaft weiter isoliert" habe. Sie kündigten neue Sanktionen an, nachdem Pjöngjang seine Langstreckenrakete mit dem Ziel abgeschossen hatte, einen eigenen Satelliten ins All zu befördern. Das Präsidium des UN-Sicherheitsrats berief eine Krisensitzung in New York ein, um Gegenmaßnahmen zu beraten.

Kosten sind sehr hoch

Nordkorea ignorierte die Kritik. Seine Nachrichtenagentur KCNA meldete den "erfolgreichen Start einer Langstreckenrakete mit einem Kommunikationssatelliten", der nach neun Minuten seine Umlaufbahn erreicht habe. Zum Beweis würde er auf der Frequenz 470 MHz zwei Melodien senden, das "Lied vom General Kim Il-sung" und das von seinem Sohn "General Kim Jong-il". Schon das während der Kulturrevolution isolierte Peking ließ im Jahr 1970 seinen ersten in die Erdumlaufbahn gebrachten Satelliten triumphierend die Melodie "Der Osten ist rot" zur Erde funken.

Den nordkoreanischen Triumph schmälerte jedoch die nördliche Kommandostelle der US-Streitkräfte. Es sei nach dem Raketenstart kein Objekt in die Erdumlaufbahn eingetreten, hieß es dort. Die erste Stufe der Rakete sei ins Japanische Meer und die restlichen Stufen mit der Traglast in den Pazifik gestürzt. Südkoreas Verteidigungsminister Lee Sang-hee sekundierte: Vermutlich seien alle drei Stufen der Rakete ins Meer gestürzt. Diktator Kim Jong-il hat davon unbeeindruckt bereits eine Parlamentssitzung für den 9. April anberaumt. Dort will er seinen Erfolg feiern und sich mit 100 Prozent Stimmen als oberster Armeeführer des Landes bestätigen lassen. Kim leistet sich in seinem heruntergewirtschafteten Armutsregime, in dem 24 Millionen Menschen immer wieder Hungersnöte erleiden, eine schwer bewaffnete, 1,19 Millionen Mann starke Armee.

Südkoreas Nachrichtenagentur Yonhap zitierte Experten, die die Kosten zur Entwicklung seiner Langstreckenrakete, mit der Nordkorea nun in den exklusiven Klub der Satellitenmächte aufsteigt, auf eine halbe Milliarde Dollar schätzen. Mit dem Abschuss der dreistufigen Trägerrakete, die Militärexperten als Taepodong 2 bezeichnen, will Nordkorea den Besitz von Interkontinentalwaffen nachweisen, die die US-Küste gefährden können. Es sei technologisch gleich, ob Nordkorea seine Rakete mit einem Sprengkopf bestücke oder sie als Trägerrakete für einen Satelliten nutze, sagt Nordkorea-Experte Zhang Liangui von der chinesischen Parteihochschule. Nur Ziel, Abschusswinkel und Flugbahn seien verschieden.

Deshalb ächtete der UN-Sicherheitsrat 2006 in seiner Resolution 1718 nordkoreanische Tests von Langstreckenraketen, um das Land an der Entwicklung von Interkontinentalwaffen zu hindern. Es war eine Zusatzvereinbarung zu dem Sanktionskatalog, mit dem der UN-Rat mit den Stimmen Chinas und Russlands auf den mutmaßlichen unterirdischen Atomtest Nordkoreas reagierte.

Zhang Liangui warnte, dass Nordkorea eine immer größere Bedrohung für Asien darstelle. Viele Forscher sind sich darüber einig, dass es genug waffenfähiges Plutonium besitze, um mehrere Atombomben herzustellen. Nach dem erfolgreichen Raketentest werde es nun alle seine Kräfte darauf verwenden, Atomwaffen zu entwickeln, die von dieser Trägerrakete getragen werden können. Es wäre der dritte und abschließende Schritt, um zu einer vollwertigen Atommacht zu avancieren.

Gespräche zur Atomabrüstung

"Die USA müssen jetzt die rote Linie ziehen", fordert Zhang Liangui. Ständige "Appeasement-Politik" zahle sich nicht aus. Das müsse sich auch Pekings offizielle Politik sagen lassen. Nordkoreas Raketentest stellt den Sinn der Pekinger Sechs-Parteien-Gespräche zur Atomabrüstung auf der koreanischen Halbinsel auf den Prüfstand. Ursprünglich sollte Pjöngjang im Gegenzug für Wirtschafts- und Energiehilfe seine Atomanlagen abbauen.