Amoklauf

Ein ganzes Land hält inne

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Als Konsequenz aus dem Amoklauf von Winnenden hat Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) verlangt, sich stärker mit der Lebenswelt von Jugendlichen auseinanderzusetzen.

- Gerade in der Pubertät sei es wichtig, dass Eltern den Kontakt zu ihren Kindern halten, sagte von der Leyen gestern im Bundestag.

In einer Aktuellen Stunde gedachten die Bundestagsabgeordneten gestern der Opfer des Amoklaufs von Winnenden und würdigten die Helfer. Zugleich sprach die stellvertretende Parlamentspräsidentin Susanne Kastner (SPD) im Namen des Hauses den Angehörigen das tief empfundene Mitgefühl aus. Familienministerin von der Leyen (CDU) wies darauf hin, dass Waffen- und Jugendschutzgesetz bereits verschärft worden seien. Die Gesetze seien da, nun komme es darauf an, dass sie eingehalten würden. Der Vollzug vor Ort sei entscheidend, meinte sie.

Die Ministerin warb für eine Anlaufstelle für Jugendliche im Internet, von der sie Hilfe bekommen könnten. Zudem benötigten die Lehrer mehr Zeit, um ins Gespräch mit Schülern zu kommen. Die SPD-Politikerin Caren Marks erklärte, gesetzliche Regelungen verhinderten solche Gewalttaten nicht. Kinder und Jugendliche brauchten Anerkennung, und zwar von Anfang an. "Ich werbe für eine Kultur des Hinsehens." Auch die Vertreter der anderen Parteien forderten mehr Aufmerksamkeit der Eltern und Lehrer, warnten aber vor Aktionismus.

Busse und Bahnen blieben stehen

Schon gestern Morgen um 10 Uhr gedachten Hunderttausende Menschen in Baden-Württemberg mit einer Schweigeminute der 15 Opfer des Amoklaufs. In Behörden, Schulen und Polizeirevieren wurde an die Menschen erinnert, die vor einer Woche von dem Amokläufer Tim K. ermordet wurden. Bei Daimler standen die Bänder still, der Südwestrundfunk unterbrach sein Programm. In mehreren Städten blieben die Busse und Straßenbahnen stehen.

Im Stuttgarter Landtag erhoben sich die schwarz gekleideten Parlamentarier zum stillen Gedenken. Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) beklagte eine Woche nach der Bluttat eine Verrohung und moralische Verwahrlosung. Er sagte, es sei "nicht nur das unmittelbare Tatgeschehen allein, das uns erschreckt". Da seien auch Reaktionen in Internetchats, die ein erschreckendes Maß an Verrohung und moralischer Verwahrlosung offenbarten. Oettinger sagte, notwendig sei eine Kultur der Aufmerksamkeit, der Achtsamkeit und der persönlichen Zuwendung, um menschlichen Tragödien entgegenzuwirken. Der Ministerpräsident dankte den Helfern - vor allem jenen, die "geistesgegenwärtig, tapfer und teilweise heldenhaft" womöglich ein noch schlimmeres Blutbad verhindert hätten.

Auf dem Friedhof in Weiler zum Stein wurden zwei weitere Schülerinnen beigesetzt, in Backnang die dritte Lehrerin.