Jugendstudie

Gewalt unter Schülern geht leicht zurück

Die Jugendlichen in Deutschland sind offenbar friedlicher als ihr Ruf. So das vor dem Hintergrund des Amoklaufs von Winnenden überraschende Ergebnis des ersten Forschungsberichtes, der sich primär mit der Jugendgewalt in Deutschland befasst.

- Demnach ist die Gewaltbereitschaft der Mädchen und Jungen in den vergangenen zehn Jahren leicht zurückgegangen, wie Christian Pfeiffer, Leiter der groß angelegten Studie, gestern mitteilte. Die in der Kriminalstatistik registrierten Straftaten ergeben zwar ein anderes Bild - Pfeiffer betonte jedoch, dass die seit 1998 polizeilich registrierte Zunahme der Jugendgewalt um 28,4 Prozent lediglich auf die gestiegene Anzeigebereitschaft zurückzuführen ist. Es verlagerten sich zunehmend Straftaten "aus dem Dunkelfeld ins statistisch erfasste Hellfeld".

Dennoch ist die Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen nicht sonderlich ermutigend. Ihre Ergebnisse weisen auch darauf hin, dass Mobbing an Schulen mehr und mehr "ein ernst zu nehmendes Problem darstellt". Gelegentlich gehe ein solches Verhalten auch von Lehrkräften aus. Insgesamt herrsche an den Schulen jedoch eine neue "Kultur des Hinschauens". So würden Gewalttaten heute viel häufiger angezeigt als noch vor zehn Jahren.

Erschreckend jedoch die festgestellten rechtsextremistischen Tendenzen unter Jugendlichen. Jeden fünften Jungen und jedes zehnte Mädchen in der neunten Klasse stuften die Forscher in der Untersuchung als "sehr ausländerfeindlich" ein. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU), dessen Ministerium die Studie in Auftrag gab, sagte, als Gegenmaßnahme gelte es, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken. Es sei nicht akzeptabel, dass in manchen Gegenden die Rechtsextremisten die besten Freizeitangebote machten.