Haiti

Wachsende Angst vor Kinderhandel

Nach dem verheerenden Erdbeben rechnen Kinderschützer mit zunehmendem Kinderhandel in Haiti. "Viele Kinder sind völlig orientierungslos und traumatisiert", sagte der Geschäftsführer des christlichen Kinderhilfswerks "Unsere kleinen Brüder und Schwestern", Heiko Seeger, gestern in Karlsruhe.

"Wir befürchten, dass es jetzt wieder mehr Fälle von Kinderhandel geben wird."

Gerade in jüngster Zeit sei der Kinderhandel zurückgegangen, nachdem er vor drei oder vier Jahren einen Höhepunkt erreicht hatte, sagte Seeger. Seine Organisation ist in Haiti mit etwa 500 überwiegend einheimischen Mitarbeitern vertreten. Die Hilfsorganisation betreibt ein Kinderkrankenhaus, mehrere Waisenheime für insgesamt 3500 Kinder, ein Behindertenzentrum und 18 "Straßenschulen" in den Slums der Hauptstadt Port-au-Prince. Wie viele der Schüler beim Erdbeben ums Leben kamen, wisse er noch nicht, sagte Seeger. Auch etwa 30 Mitarbeiter seiner Hilfsorganisation seien unter den Todesopfern. Ein siebenstöckiges Gebäude, in dem unter anderem ein Gästehaus und ein Tageszentrum für behinderte Kinder untergebracht waren, sei eingestürzt. Zwei Mitarbeiter starben dabei. "Weil es zum Zeitpunkt des Bebens Abend war, waren zum Glück keine Kinder mehr da."

Die Hilfsorganisation finanziere sich ausschließlich über Spenden und habe im laufenden Jahr ein Budget von 4,5 Millionen Dollar für Haiti, sagte Geschäftsführer Seeger. "Unsere kleinen Brüder und Schwestern" ist in neun Ländern Lateinamerikas engagiert und hat nach seinen Angaben weltweit etwa 1500 Mitarbeiter.