Vatikan

Kirche verurteilt Leugnung des Holocaust

Die Aufhebung des Kirchenbanns gegen den ultrakonservativen katholischen Bischof Richard Williamson durch Papst Benedikt XVI. ist in Deutschland auf heftige Kritik gestoßen.

- Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) reagierte gestern "mit Entsetzen und Empörung" auf Williamsons Behauptung, es habe nie Gaskammern für Juden gegeben. Der Interkulturelle Rat in Deutschland und die katholische Friedensorganisation pax christi äußerten ebenfalls harsche Kritik. Auch der Vatikan selbst distanzierte sich von den Äußerungen Williamsons zum Holocaust. Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx erklärte, jede Leugnung des Holocausts müsse "mit aller Härte" geahndet werden.

Der Papst hatte am Wochenende die Exkommunikation von vier traditionalistischen Bischöfen, unter ihnen der Brite Williams, aufgehoben, um die Beziehungen zur traditionalistischen Piusbruderschaft zu verbessern. Die vier Bischöfe waren 1988 ohne päpstliche Zustimmung vom ultrakonservativen französischen Erzbischof Marcel Lefebvre geweiht worden. Williams hat wiederholt das volle Ausmaß des Völkermords an den Juden während der NS-Zeit geleugnet.

"Leute wie diese sind eine schwere Belastung für die Kirche", erklärte ZdK-Präsident Hans Joachim Meyer gestern in Bonn. Zwischen der fortdauernden Ablehnung der Ergebnisse des zweiten vatikanischen Konzils durch die Traditionalisten und ihrer "tief reaktionären und freiheitsfeindlichen Haltung" bestehe ein enger Zusammenhang, erklärte Meyer weiter.

Unterdessen wies auch der Vatikan die Äußerungen von Williamson zum Holocaust zurück. "Wir distanzieren uns von jeder Form der Holocaustleugnung", sagte der Präsident des Päpstlichen Einheitsrats, Kardinal Walter Kasper, gestern.