Justiz

Kriegsverbrecher verbüßt Strafe in Deutschland

Der erste serbische Kriegsverbrecher, der vom UN-Tribunal für das ehemalige Jugoslawien zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, verbüßt seine Strafe in Baden-Württemberg. Das teilte das Bundesjustizministerium mit. Ex- Generalmajor Stanislav Galic war am Donnerstag nach Deutschland gebracht worden.

- Das Justizministerium in Stuttgart wollte sich nicht dazu äußern, in welche der 17 Justizvollzugsanstalten des Landes Galic überstellt worden ist. Besondere Sicherheitsmaßnahmen für den Häftling gebe es nicht.

Galic war im November 2006 in einem Berufungsverfahren wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt worden. Ein Urteil erster Instanz zu 20 Jahren Haft hatte die Revisionskammer des UN-Tribunals in lebenslänglich umgewandelt. Der heute 65-Jährige war von September 1992 bis August 1994 Kommandeur eines serbischen Armeekorps, das Sarajevo mit seiner mehrheitlich muslimischen Bevölkerung eingekesselt hatte. Von den umgebenden Hügeln aus feuerten die serbischen Soldaten fast ununterbrochen auf die Stadt, teils wahllos, teils gezielt auf Menschen und Gebäude. Tausende wurden getötet.

Es ist das dritte Mal, dass Deutschland die Vollstreckung einer Strafe gegen einen Kriegsverbrecher aus dem ehemaligen Jugoslawien übernimmt. Im Jahr 2000 hatte die Bundesrepublik bereits Dusko Tadic übernommen, seit 2002 verbüßt Dragoljub Kunarac in Deutschland eine langjährige Freiheitsstrafe. Die Bundesrepublik hatte sich wie mehrere andere Staaten bereit erklärt, vom UN-Tribunal rechtskräftig verurteilte Täter zur Haftverbüßung in ihren Strafanstalten aufzunehmen. Die Kapazitäten des UN-Gefängnisses in Den Haag reichen dafür nicht aus.