Berlin - Die Pläne zur Schließung von weiteren 105 Bundeswehr-Standorten bis 2010 haben in den betroffenen Regionen erhebliche Unruhe ausgelöst. Verteidigungsminister Minister Peter Struck (SPD) will heute morgen zuerst den Verteidigungsausschuß des Bundestages und danach die Öffentlichkeit über Details seiner Pläne unterrichten. Gestern abend wurden bereits die betroffenen Kommandeure und die Obleute der Bundestagsfraktionen informiert. Von bisher 123 Bataillonen sollen 45 aufgelöst werden.
Nach Informationen der Morgenpost ist unter anderem deutschlandweit die Schließung folgender Standorte der Bundeswehr vorgesehen:
Brandenburg: Neuruppin, Oranienburg.
Hessen: Bad Arolsen, Wolfhagen, Fuldatal, Hessisch-Lichtenau, Sontra, Schwalmstadt, Neustadt/Hessen, Fulda, Gießen, Eberbach.
Mecklenburg-Vorpommern: Parchim.
Niedersachsen: Bad Zwischenahn, Jever, Fürstenau, Lingen, Wesendorf, Hildesheim, Goslar, Varel, Wildeshausen, Großenkneten, Hambüren.
Nordrhein-Westfalen: Düren, Hamm, Lippstadt, Coesfeld, Emmrich.
Sachsen: Schneeberg, Görlitz, Bautzen, Chemnitz, Werdau, Kordau. Der Divisionsstandort Leipzig bleibt erhalten, während das Krankenhaus geschlossen wird.
Sachsen-Anhalt: Eisleben, Köthen, Wittenberg, Stendal, Hohenmölsen.
Schleswig-Holstein: Kappeln, Neumünster, Bad Segeberg, Kellinghusen, Lübeck, Bad Oldesloe, Mölln, Albersdorf, Arbeck, Rendsburg.
Rheinland-Pfalz: Hermeskeil, Ludwigshafen, Mendig, Neuwied, Westerburg.
Thüringen: Nordhausen, Rudolfstadt.
Bayern: Aschaffenburg, Volkach, Neuburg vorm Wald, Landshut, Unterschleißheim, Leipheim, Marktbergel.
Baden-Württemberg: Külsheim, Tauberbischofsheim, Heidenheim, Amstetten, Tübingen, Hort am Neckar, Albstadt, Offenburg.
Keine Veränderungen sind in den Bundesländern Bremen und Hamburg geplant. Das Saarland soll sogar zusätzliche Bundeswehr-Einrichtungen erhalten.
Außerdem sollen 23 Standortverwaltungen und über 20 Kreiswehrersatzämter geschlossen werden. Zu den Standortverwaltungen, die vor der Auflösung stehen, gehören Diepholz, Holzminden, Husum, Jever, Neubrandenburg, Rendsburg Schwerin, Wesendorf, Chemnitz, Leipzig, Strausberg, Calw, Külsheim, Roth, Freiburg, Regensburg, Bad Arolsen, Gerolstein, Westerburg, Dülmen, St. Wendel, Düren und Unna.
Etwa ein Drittel der zu schließenden Standorte gehört zu den größeren Objekten der Bundeswehr mit mehr als 1000 Soldaten und zivilen Mitarbeitern. Ferner erfuhr die Morgenpost, daß der Sitz der Division Spezielle Operationen (DSO) vom bayerischen Regensburg ins hessische Stadtallendorf verlegt wird. Ihm ist auch das im baden-württembergischen Calw stationierte Kommando Spezielle Streitkräfte (KSK) zugeordnet. Insgesamt sind 700 Soldaten von der Maßnahme betroffen.
Die bisher in München ansässige Pionierschule wiederum soll nach Ingolstadt verlegt werden. Bisher hatte es aus informierten Kreisen immer geheißen, die Pionierschule müsse ins niedersächsische Munster umziehen.
Kritik an Strucks Plänen kam von der Opposition. Der Verteidigungsexperte der Unionsfraktion, Christian Schmidt, sagte, er habe den Verdacht, daß es sich bei den Plänen nicht um konzeptionelle Strukturveränderungen handele, sondern um Geldknappheit. Mit der Reduzierung auf nur noch 250 000 Soldaten und dem weitgehenden Rückzug aus der Fläche sei Deutschland gegen Gefahren nur noch "bedingt abwehrbereit", sagte der CSU-Außenexperte Gerd Müller. Struck betätige sich als "Sensenmann" der Streitkräfte. Die Bundesrepublik sei terroristischen Bedrohungen weitgehend schutzlos ausgeliefert.