Konflikt

Hamas setzt Zivilisten als Schutzschild ein

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Wer im Gazastreifen einen Anruf der israelischen Armee oder eine SMS auf sein Handy bekommt, sollte das Gebäude, in dem er sich aufhält, schnellstens verlassen. Etwa zehn Minuten Zeit blieben dann noch bis zum Luftangriff, berichtete die israelische Zeitung "Haaretz" am Freitag.

- Mit der "Aufs Dach klopfen" genannten Aktion will Israel die Zahl der zivilen Todesopfer möglichst gering halten. Andere Medien berichten, es würden auch Flugblätter mit Warnungen abgeworfen. Im Gazastreifen leben etwa 1,5 Millionen Menschen auf einer Fläche von der Größe des Bundeslandes Bremen.

Die Familie des am Donnerstag getöteten führenden Hamas-Mitglieds Nisar Rajan hat nach Armeeangaben ebenfalls eine Warnung erhalten. Er habe aber beschlossen, in seiner Wohnung zu bleiben. Beim Angriff wurden nach palästinensischen Angaben Rajan, seine vier Frauen und elf Kinder getötet. Rajan hatte den Palästinensern laut "Haaretz" eine Abwehrmethode gegen das "Dachklopfen" nahegelegt. Danach sollten sie nach einer Warnung auf das Dach ihres Gebäudes steigen und so signalisieren, dass sie nicht bereit seien, ihr Zuhause zu verlassen. Dies habe israelische Offiziere in einigen Fällen gezwungen, ihre Angriffe abzusagen. Nach anderen Berichten hat die Luftwaffe in einigen Fällen Dachecken beschossen, um so die Bewohner zu vertreiben.

Munition in Wohnhäusern

Der Hamas wird schon länger vorgeworfen, Zivilisten als Schutzschild zu benutzen: Munitionsvorräte in Kellern von Wohnhäusern, Gewehre und Munition in Moscheen, Raketenwerfer auf den Dächern von Schulen und Krankenhäusern. Nach dem Libanon-Krieg 2006 hatte Hamas-Premier Ismail Hanija angekündigt, seine Organisation werde dem Beispiel der libanesischen Hisbollah nacheifern - trotz zahlreicher Vorwürfe, sie missbrauche Zivilisten.

In einem Interview mit dem Fernsehsender al-Dschasira hat die Hamas nun erklärt, dass sie Zivilisten als Schutzschild einsetze. Hamas-Sprecher Fausi Barhum bestritt nicht, dass die Organisation ihre Waffenlager und Befehlszentralen "in bewohnter Umgebung" eingerichtet habe. Weil der Gazastreifen dicht besiedelt sei, bleibe keine andere Wahl: "Unbewohntes Gebiet gibt es im Gazastreifen nur in Grenznähe, da wären alle Einrichtungen ständig durch israelische Angriffe gefährdet."

( /NJ )