Vorwürfe gegen Ex-Senator Krüger

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Berlin - Im Jahr 1994 sorgte der damalige Berliner SPD-Senator für Jugend und Familie und DDR-Bürgerrechtler Thomas Krüger für bundesweite Aufmerksamkeit. Nackt hatte sich der Theologe und Mitbegründer der sozialdemokratischen Partei in der DDR zum Bundestagswahlkampf auf Plakaten präsentiert. Motto: "Eine ehrliche Haut". Zehn Jahre danach, inzwischen im Amt des Präsidenten der Bundeszentrale für politische Bildung (BPB), muss Krüger genau diese verteidigen.

Unregelmäßigkeiten im Umgang mit öffentlichem Geld und Vetternwirtschaft werden ihm vorgeworfen. So soll Krüger nach Recherchen des "Kölner Stadt-Anzeigers" entgegen der Vergaberichtlinie des Bundes Aufträge der Bundeszentrale ohne Ausschreibung vergeben haben. Schlüsselpositionen wie die Leitung der Öffentlichkeitsarbeit, von Veranstaltungen und Multimedia in der BPB seien von Krüger mit Freunden und Mitstreitern der Vorwendezeit besetzt worden. Im konkreten Fall geht es um die Durchführung einer Veranstaltung im Juli zum Thema Italien, die ohne Ausschreibung an zwei Agenturen vergeben worden sein soll. Gesamtetat: 200 000 Euro.

Die FDP-Bundestagsabgeordneten Gisela Piltz, Kuratoriumsmitglied der Bundeszentrale, bestätigte gestern den Verdacht. Entsprechende Informationen seien ihr aus Kreisen der BPB zugetragen worden. Als Kuratoriumsmitglied sehe sie sich in der Pflicht, zu überprüfen, ob Steuergelder sinnvoll ausgegeben wurden. Eine Bitte nach einer entsprechenden Einzelauflistung von Vergaben aber sei ihr von Krüger verwehrt worden. Auch das Kuratoriumsmitglied, die CDU-Bundestagsabgeordnete Julia Klöckner, kündigte gestern an, das Kuratorium werde dafür Sorge tragen, dass die Vorwürfe gegen Krüger vom Bundesinnenministerium als Aufsichtsbehörde überprüft würden.

Thomas Krüger wies gestern die erhobenen Vorwürfe entschieden zurück. Alle Aufträge seien verfahrenskorrekt vergeben worden. Eine entsprechende Auflistung sei nur bis in das Jahr 2002 möglich und werde dem Kuratorium zugehen. Der Vorwurf der Vetternwirtschaft sei unhaltbar. Krüger: "Mir bekannte Fachexperten haben sich auf öffentlich und hausinterne ausgeschriebene Stellen beworben und gegen Mitstreiter durchgesetzt."

schoe