Der König kam mit zehn Flugzeugen nach Berlin

Es ist eine alte Hotelweisheit, dass man die wirklich reichen Gäste an ihrem Gepäck erkennt.

Berlin - Es ist eine alte Hotelweisheit, dass man die wirklich reichen Gäste an ihrem Gepäck erkennt. Sie mögen teure Anzüge tragen, doch wenn sie auch noch das Geld haben, sie in teuren Koffern zu transportieren, sind sie wirklich reich. Beim gestern im "Adlon" erwarteten Gast sprach deshalb eigentlich schon die Ankunft des Gepäcks für sich: 30 Lkws versperrten die Behrenstraße am Mittag. Voller Koffer, Taschen und Kartons, auf denen "European Mission" geschrieben stand. Seine Majestät, der Hüter der beiden Heiligtümer, König Abdullah ibn Abd al-Asis, König des Königreichs Saudi-Arabien wurde erwartet. Viel reicher geht halt nicht.

So war selbst bei dem auf spektakuläre Gäste eingestelltem Personal des "Adlon" ein wenig Nervosität zu spüren, auch wegen der Sicherheitsleute des Königs, die sich bereits kurz nach Mittag in der Lobby eingerichtet hatten. Nicht, dass man die anderen Gäste vernachlässigte, aber es ging ein wenig hektischer als gewohnt zu. Selbst der Klavierspieler, der den Nachmittagstee begleitete, schien schneller zu spielen, und die Verkäuferinnen der hoteleigenen Läden warfen sehnsüchtige Blicke auf jeden arabisch aussehenden Menschen, der vor ihren Vitrinen stehen blieb. Schließlich reist der saudische König mit großem Gefolge. Sehr finanzstarkem Gefolge.

Bei seinem Aufenthalt in London etwa reisten jüngst etwa 150 höfische Diener, Wirtschaftsexperten, Diplomaten sowie vier Ehefrauen mit. Bis Freitag, wenn er mittags weiter nach Ankara weiter reist, lebt er auf der vierten Etage hinter der Tür mit der Nummer 480. Bei der 240 Quadratmeter großen Fünf-Zimmer-Suite (12 000 Euro pro Nacht), sind kugelsichere Fenster, Jacuzzi, Fitnessbereich und finnische Sauna inklusive. 20 000 Euro kostet der gesamte Etagentrakt.

Es seien zehn Flugzeuge, die den hohen Besuch und seine Entourage nach den Stationen London, Genf, Rom nach Berlin bringen werden, hatte die saudi-arabische Botschaft wissen lassen. Bestens ausgerüstet also traf am Nachmittag Seine Majestät auf dem militärischen Teil des Flughafens Tegel ein. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) begrüßte den 83-Jährigen und fuhr mit ihm anschließend ins Bundeskanzleramt, wo er mit militärischen Ehren empfangen wurde. In gemeinsamen Gesprächen geht es bei diesem Besuch um den Atomstreit mit dem Iran und die Lage in Nahost vor der geplanten israelisch-arabischen Konferenz im amerikanischen Annapolis.

Nach kurzer Pause im "Adlon" stand für den König im Schloss Bellevue ein Abendessen bei Bundespräsident Horst Köhler auf dem Programm. Wenig bekam der König von den Demonstranten vor dem Hotel mit. Saudi-Arabien ist eine absolute Monarchie. Frauen sind weitestgehend vom politischen Geschehen ausgeschlossen und dürfen nicht einmal Auto fahren. Seine gepanzerte Mercedes-Limousine hielt direkt vor dem roten Teppich des Hotels, und er ging, begleitet von Sicherheitskräften, sich verbeugenden Untertanen und einem Militär, durch die Lobby zu den Fahrstühlen. Der Monarch gilt als gemäßigt: Als eine seiner ersten Amtshandlungen verweigerte er den Mitgliedern der Königsfamilie, etwa 7000 Prinzen und Prinzessinnen, den Zugriff auf die Staatskasse.

Heute gibt es Begegnungen mit Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sowie neuerlich mit der Bundeskanzlerin am Abend bei einem von deutschen und saudischen Wirtschaftsverbänden ausgerichteten Essen im Hotel "Ritz Carlton" auf dem Potsdamer Platz.

Im Mittelpunkt aber steht heute des Königs Termin mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit. Der Landeschef holt den Regenten gegen 13.30 Uhr im "Adlon" ab, von wo man den weiträumig abgesperrten Pariser Platz ansteuert. Obwohl nur wenige Schritte entfernt, soll die Strecke mit der Limousine zurückgelegt werden. Der 83-Jährige sei nicht gut zu Fuß, so die Organisatoren. Der übliche Gang durchs Brandenburger Tor entfällt.

Wowereit und sein Gast werden sich mittels Dolmetscher verständigen; das sei dem Besucher gegenüber höflicher, als etwa gemeinsam Englisch zu parlieren.

Im Roten Rathaus trägt sich Seine Majestät danach ins Goldene Buch der Stadt ein und lernt bei einem Mittagessen dank Sternekoch Matthias Buchholz vom Restaurant "First Floor" ("Palace"-Hotel) darauf die Freuden deutscher Küche kennen. Das Menü umfasst etwa Gelee von Jakobsmuschel und heimischen Flusskrebsen sowie Wild aus der Schorfheide.

Mit am Tisch sitzen 60 Mitglieder der Delegation und weitere 60 Vertreter von Berliner Unternehmen und Institutionen, etwa Berlins Siemens-Chef und Präsident der Unternehmerverbände (UVB), Gerd von Brandenstein, oder Professor Roland Hetzer, Ärztlicher Direktor des Deutschen Herzzentrums.

Für die Frauen des Königs dagegen ist nicht reserviert. Zwar habe die Botschaft keinerlei Einkaufstouren angekündigt, dennoch würde man sich über einen Besuch überaus freuen, hieß es gestern seitens des KaDeWe (dessen Chef Patrice Wagner derweil auch mit dem König speist).

Die Wünsche Seiner Majestät für die Menügestaltung übrigens waren äußerst bescheiden: Er trinke, ließen die Privatsekretäre die Berliner Senatskanzlei wissen, gern Zitronenlimo. Am liebsten Seven Up.