Alles längst Geschichte

Seine Familiengeschichte ist älter als die Kirche, die heute seinen Namen trägt, viel älter.

Seine Familiengeschichte ist älter als die Kirche, die heute seinen Namen trägt, viel älter. Friedrich Wilhelm Prinz von Preußen ist, wie er selbst sagt, "von Haus aus Historiker". Am 9. Februar 1939 in Berlin-Grunewald geboren, hat sich der Ur-Ur-Enkel von Kaiser Friedrich Wilhelm I. die "Beschäftigung mit seinen Wurzeln" zum Beruf gemacht: Ein Fulltime-Job, denn die Familiengeschichte erstreckt sich bis 1620, beginnend beim Großen Kurfürsten. "Da bleibt nicht viel Zeit", sagt der Prinz - nur für einen kurzen Spaziergang mit Weimaraner Billy, morgens um halb sechs in Halensee.

Friedrich Wilhelm ist promovierter Historiker: 1981 dissertierte er an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, mit einer Arbeit über seine Familie. Die "Untersuchung der Verhältnisse der Nationalsozialisten zu den Hohenzollern" habe damals ergeben, dass sein Großonkel, August Wilhelm, ein "leicht braun Angehauchter" war.

Bis auf diese Epoche zeichnet er allerdings ein zwar differenziertes, dennoch liebevolles Bild seiner Familie. Im Rückblick liegen Sternstunden und Schatten seiner Familiengeschichte eng beisammen. So hat ihn sein Vater, Louis Ferdinand Prinz von Preußen, noch im Alter von der Erbfolge ausgeschlossen, weil er schon damals nicht hochadlig heiratete. Doch das sei alles längst Geschichte, meint der Prinz.

Er studiert sie zusammen mit seiner dritten Ehefrau, der 55-jährigen Bildhauerin und Künstlerin Sibylle Kretschmer.

"Sie ist eine wahre Bereicherung für mich, weil sie nicht aus adeligem Haus kommt und einen ganz anderen Blick auf die Sache hat", sagt der Prinz. Was sie entdeckt, ist in bislang zwei Büchern zu lesen, die die beiden zusammen publiziert haben. "Es wird weitere geben", verspricht der vierfache Vater und sechsfache Großvater.

Am kommenden Freitag richtet der Prinz ein Gedenkkonzert zum 100. Geburtstag des Vaters in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche aus. Seit bekannt ist, dass der Turm der Kirche, die sein Urgroßvater, Kaiser Wilhelm der II. Ende des neunzehnten Jahrhunderts stiftete, marode ist, soll das Konzert auch Auftaktveranstaltung einer Spendenaktion sein. "Wir dürfen den "hohlen Zahn' nicht verkommen lassen", sagt der Prinz. Friedrich Wilhelm ist 1.Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, eine "ehrenvolle Aufgabe" und Familientradition.