Birgit Hogefeld, Terroristin der dritten Generation

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Nur durch die Vertagung des Gnadengesuches der ehemaligen RAF-Terroristin Birgit Hogefeld durch den Bundespräsidenten ist überhaupt bekannt geworden, dass ein solches Gesuch gestellt worden war.

Berlin - Nur durch die Vertagung des Gnadengesuches der ehemaligen RAF-Terroristin Birgit Hogefeld durch den Bundespräsidenten ist überhaupt bekannt geworden, dass ein solches Gesuch gestellt worden war. Im Gegensatz zu Christian Klars Gesuch ist Hogefelds Antrag aber nicht abgewiesen, sondern lediglich zurückgestellt. Das stellte das Bundespräsidialamt klar. Bis jetzt ist noch keine Mindesthaftzeit für die zu lebenslänglich verurteilte 50-Jährige festgelegt worden. Möglicherweise kann sie schon 2008, nach genau 15 Jahren in Haft, erstmals einen Antrag auf Aussetzung ihrer Reststrafe zur Bewährung stellen. Horst Köhler könnte sie allerdings auch jederzeit davor begnadigen - wenn er das für angemessen hält.

Hogefeld gehört zur dritten und letzten RAF-Generation. Sie war 1984 in den Untergrund gegangen, zusammen mit ihrem Lebensgefährten Wolfgang Grams, der schon seit 1974 in RAF-Sympathisantenkreisen aktiv war. Hogefeld selbst stieß 1975 zu den Terror-Unterstützern; 1977 ging sie während der Schleyer-Entführung ins "Exil", wie sie es selbst nennt. Schon damals galt sie den Behörden als potenzielle Terroristin.

In ihren neun Jahren im Untergrund war sie wohl an einer Vielzahl bis heute ungeklärter RAF-Verbrechen beteiligt. In ihrem Prozess verweigerte sie sich jeder Aufklärung. Dem Magazin "Spiegel" sagte sie 1997, warum: "Auch wenn ich meinen Lebensweg nicht noch einmal so gehen würde, bin ich nicht der Meinung, dass ich vor einem deutschen Staatsschutzsenat mein Leben und meine Fehler zu rechtfertigen habe."

Am 27. Juni 1993 wurde Birgit Hogefeld in Bad Kleinen (Mecklenburg-Vorpommern) festgenommen. Ihr Komplize Grams nahm sich dort das Leben, nachdem er zuvor den GSG 9-Beamten Michael Newrzella getötet hatte und selbst verletzt worden war. Erst 2001 konnte per Genanalyse nachgewiesen werden, dass Grams am Mord an Treuhandchef Detlev Karsten Rohwedder 1991 beteiligt gewesen ist.

Hogefeld wurde wegen dreifachen Mordes und vielfachen Mordversuchs verurteilt. Vor Gericht und in Haft forderte sie mehrfach die übrigen RAF-Mitglieder auf, sich aufzulösen. Reue oder den Willen zur Aufklärung hat sie aber bis heute nie gezeigt.

sfk