Menschenrechte

Saudi-Arabien: Todesstrafe im Akkord

Die Zahl der Hinrichtungen in Saudi-Arabien hat Amnesty International zufolge stark zugenommen. Jede Woche werde die Todesstrafe im Schnitt mehr als zwei Mal vollstreckt, erklärt die Menschenrechtsorganisation in ihrem aktuellen Bericht.

- Fast die Hälfte der Hingerichteten seien Bürger anderer, zumeist armer Länder. Auch sei die Zahl der Hinrichtungen nach unfairen und häufig geheimen Gerichtsverfahren stark gestiegen. "Die hohen Hinrichtungszahlen in Saudi-Arabien laufen dem internationalen Trend zur Abschaffung der Todesstrafe entgegen", sagte Amnesty-Nahost-Expertin Regina Spöttl.

Im vergangenen Jahr wurden in Saudi-Arabien nach Amnesty-Angaben mindestens 158 Menschen hingerichtet, 2006 waren es noch 39. Von Januar bis August dieses Jahres sei die Todesstrafe bereits 71 Mal vollstreckt worden. Nach Ende des Fastenmonats Ramadan befürchtet Amnesty eine weitere Welle von Exekutionen. "Sie treffen unverhältnismäßig oft arme Migranten und Saudi-Araber", sagte Spöttl. Angeklagte aus afrikanischen und asiatischen Entwicklungsländern hätten oft weder einen Anwalt noch könnten sie den auf Arabisch geführten Verhandlungen folgen: "Das gewählte Mitglied des UN-Menschenrechtsrats Saudi-Arabien muss endlich sein Justizsystem in Einklang mit internationalen Standards bringen."

Erst am vergangenen Sonntag waren zwei saudi-arabische Staatsbürger im Norden des Landes geköpft worden. Einer von ihnen soll gestanden haben, einen Mann zu Tode gequält zu haben, zitierte die amtliche Nachrichtenagentur Spa das Innenministerium. Der zweite soll bei einem Streit einen Mann erschossen haben.